Wieder haben wir ein Interview per Mail durchge-
führt und unsere Fragen diesmal an Olaf geschickt.


Wie kommt es, dass ihr nach "Türzueszieht" bzw. "Angst vor Clowns" wieder zueinander gefunden habt und neben "Flatsch" und "Den groben Jung-
gesellen" nun euer drittes Bandprojekt startet, in welchem ihr zwei zusammen spielt?

Olaf: Gerd und ich sind wie zwei reißende Flüsse, die sich ihren Weg suchen und ab und zu halt mal zueinander finden um einen noch größeren reißen-
den Fluss zu bilden – das schlägt dann hohe Wellen.

Dann gibt es auch noch "Giftdwarf", ein Metal-
rockprojekt. Warum so viele verschiedene Bands?

Olaf: Weil wir so viele verschiedene Interessen haben und uns für ganz viele unterschiedliche Musikstile interessieren. Von Comedy bis Metal ist alles dabei und was liegt näher, als dann beides auch mal zu verbinden.  „Giftdwarf“ ist ja keine normale Metalband. Alleine schon Gerds Texte sind sehr außergewöhnlich und behandeln Themen, die bei normalen Metalbands nicht vorkommen. Von der Mutter, die wie Lemmy von Motörhead aussieht bis hin zum Lieferanten von Tiefkühlnahrung wird alles abgehandelt, was irgendwie skurril und interessant ist. Und live wird das auch eine sehr skurrile Show.

Gehen wir recht in der Annahme, dass man bei den Konzerten der „Netten Rabenväter“ nicht nur Songs hören wird? Beziehungsweise, dass zwischen den Songs kleine Sketche gespielt werden?

Olaf: Aber sicher kommen der Humor, die Sketche und die Moderationen nicht zu kurz bei den „Netten Rabenvätern“, so sind wir halt und das kann uns auch keine Therapie austreiben - zumal diese Therapie sowieso keiner bezahlen könnte. Danke, Herr Rösler.

Spielt ihr nur zu zweit und wenn ja, wie macht ihr das, denn auf der CD hört man mehrere Instru-
mente gleichzeitig?

Olaf: Nun ja, das ist doch normal. CD ist die eine Sache und live eine völlig andere. Wir sind auf der Bühne nur zu zweit aber mach dir keine Sorgen, wir ersetzen die fehlenden Instrumente schon durch Bühnenpräsenz und viele kleine Tricks – aber es ist alles live, was wir auf der Bühne machen, keine Computer, keine Einspielungen oder so etwas, falls du darauf anspielst. Handgemachte Musik von zwei Herren im besten Alter. Auf der CD haben wir uns halt musikalisch ausgelebt und viele Sachen probiert, die ich so nicht kenne von anderen Produktionen, hat einen Riesenspaß gemacht und man sollte sich das unbedingt gönnen.

Hatten du und Gerd eigentlich jemals Haare, die länger als 0 cm waren, sodass damals eine Chance auf ein Beatles-Dasein bestanden hätte...?
(sorry, aber diese Frage musste einfach sein)

Olaf: Nein!

Hat in eurem Bekanntenkreis jemand am 11. Sep-
tember Geburtstag oder gab es bereits Reaktionen von anderen, die sich angesprochen fühlten?

Olaf: Bis jetzt noch nicht aber vielleicht machen wir mal ein Konzert auf dem nur Leute kommen dürfen, die am 11.Septemer geboren sind und dann spielen wir für die nur immer wieder dieses eine Lied und das zwei Stunden lang.

Wo habt ihr die äußerst aufwendig gestaltete Kulisse für euer CD-Cover aufgetrieben?

Olaf: Kulisse??? In dieser „Kulisse“ wohne ich!

Ist das Lied "Kunstschule" eine Anspielung darauf, dass man lieber banale Gemeinsamkeiten zwischen den Freizeitaktivitäten diverser Gewalt-
täter sucht und zB. Killerspiele viel mehr als Ursache dafür ansieht, als dass diese Leute keine Erziehung oder die falschen sozialen Kontakte hatten?

Olaf: Nein, das ist einfach mal die Vision, dass man zum Diktator wird, wenn man Kunst studiert, weil es ja ein paar von diesen Beispielen gibt. Eigentlich ist es eine philosophische Abstraktion wie die "Katzen-
schwanz–Logik“, also so: Die Katze hat einen Schwanz, Diogenes auch, also ist Diogenes eine Katze – klar?

Gibt es einen Bezug zwischen diesem Song und "Sportschützen"?

Olaf: Gewalt als Gemeinsamkeit zwischen Diktatoren und Amokläufern – aber man kann ja alles miteinander in Beziehung bringen, nur manche Menschen nicht. Vielleicht ist das der Bezug, mein Sofa bräuchte auch mal einen neuen....

Irgendwo juckt's immer - ein Lied, das besonders jetzt in Kritik geraten könnte wegen der laufenden Prozesse gegen die katholische Kirche. Spielt ihr das Lied trotzdem bei Konzerten?

Olaf: Natürlich spielen wir das Lied GERADE bei den Konzerten. Warum auch nicht, auf wen sollen wir Rücksicht nehmen – etwa auf die Kirche, die sich zu diesem Thema mehr als lächerlich und ausgesprochen unzeitgemäß verhält? Wenn man Menschen in eine unnatürliche Verhaltensweise drängt durch Zölibat und andere Albernheiten muss man sich nicht wundern, wenn diese Menschen auch unnatürlich reagieren. Nicht für jeden Menschen ist die kalte Dusche und eine Selbstkasteiung mit einem Reisigbündel ein echter Ersatz für rauschenden Sex.

Haben die Geschlechter heutzutage die Rollen getauscht? Frauen gehen zum Bund und sind generell emanzipierter, während die Männer in's Solarium gehen und vermehrt Drogerieartikel kaufen. Oder wie darf man "Halbe Mädchen" verstehen, denn zumindest bei den Frauen gibt es noch genug, die sich wieder in Richtung "bumsdummes Mädel" zurückentwickeln.

Olaf: Welches Lied denn nun? „Halbe Mädchen“ ist ein nahrungsmittelkritischer Text, wenn du dir an-
schaust, was alles in Hühnerfleisch und anderen Lebensmittel drinsteckt, dann kriegst du die Pus-
teln. Weiche Männer sind ja nichts Schlechtes, harten Frauen auch nicht - und „Bummsdumme Mädels“ kennen wir wohl alle, ich sage nur Schulschluss – Bushaltestelle...

Jeder hat so seine ganz speziellen Vorlieben beim Sex. Solange dabei niemand unfreiwillig zu Schaden kommt - Warum dürfen Menschen in höheren Positionen nicht SM praktizieren, im Sinne von eurem Song "Peitsch mich"? Ein "Problem" der Gesellschaft?

Olaf: Welche Vorlieben hast du? Spaß beiseite. Klar kann jeder machen was er will, solange er niemand anders in seiner Würde verletzt, ohne dass er das will. Aber alle Menschen dieser Welt müssen sich auch damit abfinden, dass wir sie thematisieren und wenn die Jungs, die sich quälen lassen um so ihren Alltagsfrust abzubauen, diesen Frust vielleicht gar nicht zulassen würden, bräuchten sie auch nicht einen Haufen Geld dafür ausgeben, ihn wieder loszuwerden.

Vielen Dank für das Interview!

Olaf: Ich bedanke mich für dieses Gespräch.


badesalzfans.de - Michael und Stefanie - 09.03.2010