| Ist der Teufel ein Hesse, oder ist das nur eine bösartige
Unterstellung des Bayern Michael Herbig?
Gerd: Eine bösartige Unterstellung ist es sicher, schon, weil sie von einem Bayern kommt. Der Hesse hat sicher auf den ersten Blick etwas Diabolisches. Aber der Eindruck entsteht nur durch sein teuflisch schnelles, loses Mundwerk. Im Grunde seines Herzens weiß er, dass er ein unheimlich guter Mensch ist. Es gibt natürlich einen obersten Vertreter des Bösen, der leider auch noch unser Ministerpräsident ist. Aber von dem muss man sich als Hesse distanzieren. Henni: Aber unsere Rollen im Film sind natürlich angemessen. Der Hesse will schließlich nicht irgendwas spielen - und ein hessischer Teufel ist schon was Besonderes! Gerd: Er ist Chef, das passt. Der Hesse spielt eben lieber den Restaurantbesitzer, als die Kellnerin. Wie habt Ihr reagiert als Ihr hörtet, dass Bully die Geschichte der Sissi als Animationsfilm dreht? Henni: Das weiß ich noch ganz genau. Ich hab gesagt: "Ah!" Gerd: Und ich: "Oh!" Henni: Beide haben wir dann gesagt: "Das könnte was werden!" Ist dieser Film nicht so ein bisschen ein Sakrileg?
Schließlich sind die Sissi-Filme für ganz viele Menschen
ein Heiligtum der deutschen Film- Gerd: Blasphemie? Nein! Im Komikbereich ist das erlaubt. Henni: Ich habe die Sissi-Filme tatsächlich gern gesehen und habe sogar die DVD-Kollektion... Gerd: Die wirken ja auch schon animiert, schon wegen ihrer Charaktere. Die ersten Animationsfilme, die ich im Fernsehen gesehen habe, wirkten noch sehr unecht. Mit zuckenden, eckigen Bewegungen. Und so etwas hatten die alten Sissi-Filme ebenfalls. Dazu diese alte, gründgensche Schauspieltechnik - das kommt der Animation schon sehr nahe. Welche Erinnerungen verbindet Ihr mit den alten
Sissi-Filmen? Gab's da irgendwelche ganz beson- Henni: Die liefen ja meist am Sonntagnachmittag und ich
kann mich nur an das erinnern, was ich gegessen habe,
weil das ein Ritual war: Ich habe dazu immer Christstollen
mit Kalbsleberwurst gegessen und als Nachtisch
Gummibärchen mit einem Schluck Milch. Und dann habe
ich gewartet, bis sich die Gummi- Gerd: Und darum beneide ich den Henni! Ich war noch nicht auf der Welt, als die Filme liefen... Henni: Aber als ich ihn adoptiert habe, habe ich sie ihm alle noch einmal gezeigt. In "Lissi und der wilde Kaiser" passieren ja Dinge, die man weder aus den Sissi-Filmen noch aus den Geschichtsbüchern kennt. Glaubt Ihr, Bully kommt der historischen Wahrheit ein kleines Stück näher? Gerd: Ganz ehrlich: Wir haben den Film bisher noch nicht gesehen und durften auch das Drehbuch nicht komplett lesen. Henni: Das war alles unglaublich geheim, wir wussten nicht mal, dass wir beide eine Rolle sprechen. Wir haben uns erst am Flughafen zufällig getroffen. Gerd: Als wir dann ins Studio kamen, brachte ein Kurier einen verschlossenen Koffer. Da waren Kondome und Sexspielzeuge drin und es stellte sich heraus, dass er gar nicht für uns bestimmt war, sondern für Bully. Wir mussten dann noch mal eine Stunde warten, bis der Koffer mit unseren Texten kam. Henni: Das war alles wie in einem Agentenfilm! Wir waren
auch verpflichtet, Trenchcoat und Sonnen- Wie spricht man einen Teufel und sein Echo? Gerd: Fürs Echo ist das relativ einfach, das muss ja nur nachsprechen... Henni: Jetzt will er schon wieder meine Arbeit abwerten! Gerd: Beim Teufel stellt man sich einfach einen hessischen Polizisten bei der Verkehrskontrolle vor, dann klappt das schon. Henni: Wir haben ja auch schon soviel synchronisiert, dass es nicht eine solche Herausforderung war. Ich bin ja, was die wenigsten wissen, die hessische Stimme von Bruce Willis. Und Gerd hat ganz viele Erotikproduktionen ins Hessische synchronisiert. Hattet Ihr noch Möglichkeiten, die Dialoge mit zu gestalten? Gerd: Nein, die Dialoge waren vorgegeben. Das ist wie in einem dieser diktatorischen Staaten in Südamerika. Man kriegt etwas hingelegt und muss es dann sprechen. Henni: Ungewöhnlich war allerdings, das diesmal auch Waffen auf uns gerichtet waren. Bully will halt das hören, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Da ist es gefährlich, zu kreativ zu werden. Aber ansonsten war es ein sehr entspannter Job. Als Ihr die letzten Sprachaufnahmen gemacht habt, war vieles an "Lissi" erst halbfertig. Wie schwer oder leicht ist es Rollen zu sprechen, zu denen man noch längst nicht immer die endgültigen Bilder sieht? Gerd: Wahrscheinlich so schwer, wie eine Internetbekanntschaft. Von der weiß man ja auch nichts. Man hofft, dass da was Nettes auf der anderen Seite ist. Aber es kann auch etwas ganz Schlimmes sein. Henni: Bei mir rufen immer Frauen an, um mir etwas zu verkaufen. Aus diesen Callcentern. Ich weiß dann gar nicht, was ich kaufe. Aber ich kaufe es immer. Ich habe die ganze Hütte voll mit irgendwelchen komischen Sachen. Gerd: Letztendlich hat so etwas immer mit Vertrauen zu tun... Henni: Das habe ich zu denen ja auch immer! Hättet Ihr die Rollen auch so sprechen können, dass Nicht-Hessen auf Untertitel angewiesen wären? Gerd: Schon, aber dann hätte Bully es so schreiben müssen. Es gibt in jedem Dialekt Ausdrücke, die man nicht versteht. Bei uns ist das ja eher nur so eine eingefärbte Sprache, so ein Straßen-Frankfurterisch. Das versteht man ja eigentlich schon. Henni: Aber es gibt bei uns in der Wetterau oder im tiefsten Odenwald schon Dialekte, die auch für den Frankfurter schwer verständlich sind. Aber das fände ich sinnlos. Wir sprechen, glaube ich, ein überall kompatibles Hessisch. Ihr sprecht zwei schöne, aber doch eher kleine Rollen in diesem Film. Wärt Ihr nicht eigentlich prädestiniert gewesen, Lissi und Franzl zu sprechen? Henni: Der Hesse nimmt, was er kriegt. Und schweigt, solange die Bezahlung stimmt. Aber der Hesse könnte auch mehr, wenn man ihn nur ließe. Wir haben das früher schon auf der Bühne oft genug thematisiert. Pflichtfrage beim Interview zu einem Film ist natürlich die,
bei der immer alle unisono mit "traumhaft" antworten: Wie
war die Zusammen- Henni: Es war ein Traum! Gerd: Das kann man einfach nicht schöner in Worte fassen.constantin.de - im Auftrag des "Lissi"-Films - 01.10.2007 |