Das Telefon klingelt und vom anderen Ende der Leitung klingt mir eine von CD's und Konzerten so wohlbekannte Stimme entgegen. An diesem ansonsten recht tristen Tag, treff' ich ihn nun endlich einmal persönlich: Henni Nachtsheim, die eine Hälfte vom Comedy-Duo Badesalz! Der Termin ist schnell gemacht und kaum eine halbe Stunde später finden sich zwei Hesseköpp an einem Tisch, um über Comedy, Musik und Verblödung im Allgemeinen zu tratschen.

Henni, wie du weißt führe ich dieses Interview im Auftrag des Goethegymnasiums Neu-Isenburg...

Henni: (andächtig) Ich erinner' mich...

...und du gehörst zu den glücklichen Exemplaren in der Geschichte der Menschheit, die diese Schule VON INNEN kennen lernen durften. Jetzt hast du auch mal die Gelegenheit, dich über diesen mit Sicherheit lebensweisenden Aspekt einmal durch und durch auszukotzen: Welches einschneidende Erlebnis ist dir nach wie vor in Erinnerung geblieben?

Henni: Goetheschule?!? Ich kann mich wirklich sehr gut an viele Dinge erinnern: Ich bin zweimal sitzen geblieben, schon in der 6. oder 7. Klasse und hab dann auf der Buchenbusch-Schule die mittlere Reife gemacht. Danach bin ich auf 'ne Schule in Frankfurt, wo ich dann mit Ach und Krach mein Abi nachgemacht hab'... mit etwas Verspätung halt. Ich hab' aber keine besonders negativen Erinnerungen an die Goetheschule. Ich bin da eigentlich recht gern hingegangen. Keine Ahnung wie's heute ist...

Henni entdeckt das verschmitzte Lächeln auf meinem Gesicht, welches ich nur spärlich zu verstecken im Stande bin. Nach einem beidseitigen Lachanfall setzt er fort.

Henni: Oh Gott! Also, ich hatte einen super Englischlehrer mit dem Namen Califize, der ist bestimmt seit Ewigkeiten nicht mehr da. Mein einschneidenstes Erlebnis mit ihm: Wir hatten einen Disput, den wir durch Reden nicht aus der Welt schaffen konnten. Ich hab' ihm dann aus Spaß angeboten: "Lass es uns im Ring austragen." Er sagte: "Okay, machen wir das!" Ich hab nie damit gerechnet, dass der es ernst meint. Am nächsten Morgen haben wir aus Schultischen einen Ring gebaut, er zog sein Hemd aus und wir haben uns über vier oder fünf Runden richtig mit Handschuhen geboxt. Ich fand das klasse, dass ein Lehrer so was wirklich mal umsetzt. Ich hab ihn dafür ver-
göttert. Ich glaube, dieser Lehrer war der maßgeb-
liche Grund für mein spätere Motivation im Englisch-Abi.

Vielleicht sollte ich meiner Deutschlehrerin mal den gleichen Vorschlag machen. Also, entweder weiß ich doch nicht soviel über euch wie ich gerne behaupte (ahem) oder es fehlt mir einfach an Phantasie... Wie kam der Name "Badesalz" zustande?

Henni: Die Entstehungsgeschichte ist so was von banal, dass wir uns schon Tausende von Varianten ausgedacht haben, einfach um die Leute zu unterhalten. Es war einfach so, dass wir kurz vor unserem ersten Auftritt im Sinnkasten standen und der Besitzer anrief: "Ich muss das Programmheft bis heut Abend fertig haben, ihr habt mir aber immer noch nicht gesagt, wie ihr eigentlich heißt." Wir wollten uns eigentlich "Affezerkuss" nennen. Doch dann haben wir uns gesagt: "Das macht's den Kritikern vielleicht doch ne Spur zu leicht...". Wir hielten aber gerade eine Badesalz-Tablette in der Hand, die als der gesuchte Gegenstand eine Rolle am Ende unseres Programms "Super-Dong-Dong" spielen sollte. Also nannten wir uns ab diesem Moment Badesalz-Theater. "Theater" haben wir dann später rausgenommen und uns nur noch Badesalz genannt, weil wir ja auch Filme und anderes machen.

Über eure Entstehung bestehen ebenfalls die wildesten Gerüchte. Auch solche, die ihr selbst in die Welt gesetzt habt. Auf die Gefahr hin, dass auch ich jetzt wieder nur durch und durch verarscht werde... Wie ist Badesalz entstanden?

Henni: Nein, du wirst nicht verarscht. Es sei denn, du willst es! Neulich stellte eine Moderatorin genau die gleiche Frage und de Gerd antwortete: "Naja, was wollen Sie denn jetzt hören. 'Ne Erfundene oder die Echte?" "Och eigentlich 'ne Erfundene.". Die hat sie dann auch bekommen...! Aber um deinem journalistischen Anspruch gerecht werden: Damals, als Gerd noch bei Flatsch! spielte und ich eben bei den Monotones, da traf man sich ab und an bei gemeinsamen Konzerten. Unser Schlagzeuger feierte eines Abends nach einem Auftritt seinen Geburtstag und Flatsch! kam dann eben auch noch da hin. Gerd und ich saßen den ganzen Abend zusammen und hatten von Anfang an eine große Sympathie füreinander. Wir haben tierisch rumgeblödelt und auch uneinheimlich viel getrunken - ich hatte ausgerechnet an diesem Abend Liebeskummer. Solche Abende werden dann immer so unheimlich exzessiv! Wir haben viele Leute zum Lachen gebracht und ich fragte Gerd dann: "Komm lass uns doch mal zusammensetzen und was machen." Gerd wollte schon immer etwas klein-
kunstmäßiges über die Band hinaus machen. Wir haben uns ein paar Mal getroffen und dann stand der Entschluss fest.

Würdest du sagen, dass sich deine Beziehung zu Gerd in den letzten Jahren verändert hat?

Henni: Klar, auf jeden Fall. Ich kenn ihn ja jetzt bald 20 Jahre. Mindestens die Hälfte des Jahres verbringen wir miteinander. Wenn man daran denkt, dass wir beinahe jeden Tag telefonieren, dann ist das der Mensch, mit dem ich in den letzten 20 Jahren am meisten zu tun hatte. Er ist mein allerbester Freund - mit allem was dazu gehört. Dennoch ist es nicht als kämen irgendwelche Abnutzungs-erscheinungen auf. Es ist eher so, dass man immer noch was Anderes entdeckt und wir beide immer ein großes Interesse daran haben, dass es vorwärts geht. Wir haben oft schon gesagt: Wir können uns sogar vorstellen als 80jährige Opas noch auf der Bühne zu stehen und dann etwas zu machen, was uns dann als alten Säcken und unserem Gesundheitsgrad entspricht...

Ich weiß du bist blond. (Sehe ich ja grad' selbst) Es heißt, de Knebel wäre auch blond. Stimmt das?

Henni: Ja, aber man sieht's net...

Wie es scheint, braucht jegliche Frankfurter Gruppierung einen oder mehrere haarlose Köppe in ihrer Truppe, sonst kommt sie nicht zu Erfolg. Womit wir auch gerade beim Thema angelangt wären: Moses P., Boehse Onkelz, Mundstuhl... Seht ihr trotz aller offensichtlichen Unterschiede auch Gemeinsamkeiten zwischen euch und anderen Frankfurter Gruppierungen?

Henni: Ich glaube nicht, dass es in Frankfurt 'ne große, enge Szene gibt. Zu Zeiten von den Monotones gab es noch mit Flatsch!, Crackers, Hob Goblin usw. Bands, die tatsächlich 'ne Szene gebildet haben, die noch irgendwas miteinander zu tun hatte. Ich kann nicht sagen, dass ich zu irgendeinem Frankfurter Act 'ne große Beziehung habe. Also, das einzige Bindeglied ist Ali Neander - der Gitarrist von den Monotones - der viel für 3p gearbeitet hat, also Sabrina, Xavier, Moses und ganz wichtig: Glashaus. Ab und an treffen wir uns auch mal alle zusammen.

Mundstuhl und Badesalz sind dem hingegen mit Sicherheit Konkurrenten. Beides sind Duos und man kann sich streiten wer die Fälschung und wer das Orginal ist... Ihr würdet im Bezug auf Mundstuhl also schon von einem ausgeprägten Konkurrenz-denken ausgehen?

Henni: Also, als Mundstuhl erschien, da haben sie's auch drauf angelegt, mit uns verglichen zu werden. Das können sie auch gar nicht leugnen. Auf einmal hatte einer 'ne Glatze und es gab Fotos von denen (wir hatten zwei Jahre zuvor Fotos auf Malta gemacht) da musste ich zweimal hinschauen, um zu merken, dass wir das nicht sind. Es war wie eine Kampfansage. Ab sofort wurden uns Mundstuhl in der eigenen Plattenfirma vorgesetzt...

...Nach dem Motto: Werdet erst mal so wie die!...

Henni: Naja, eigentlich waren wir bei Sony unheim-
lich erfolgreich. Plötzlich kam dann der neue Plattenchef, der sich mit unserem Manager ange-
legt hatte und setzte uns Mundstuhl vor die Nase. Auf einmal waren wir in deren Wertigkeit nicht mehr so hoch angesiedelt wie zuvor. Aber das hat sich geklärt. Wir haben keine Berührungspunkte mit denen und ehrlich gesagt interessieren sie mich auch nicht so brennend. Wir sind jedenfalls froh um jedes Jahr, in dem wir uns auf einem solchen Level halten, wie wir das schon seit Jahren tun.

Kein offener Konflikt?

Henni: Ich weiß von ein paar Situationen aus ihrer Anfangszeit, wo sie ein bisschen Oberwasser gehabt haben und auf einigen Konzerten über uns abgelästert haben. Bei den "hessischen" Sachen haben sie sich auch gut bei uns bedient, aber irgendwann kommt der Punkt, wo es einem einfach egal ist. Ich denke, dass ich ganz gut weiß, wo wir stehen... das reicht mir persönlich!

Mir schien es so, als seien die Frankfurter für ihren uneingeschränkten Willen zur Anprangerung irgendwelcher Missstände bekannt: Der Konflikt zwischen Moses P. und Stefan Raab, Boehse Onkelz: "Keine Amnestie für MTV" und Mundstuhl, die eben auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Badesalz macht da meines Erachtens keinen Unterschied...

Henni: Stimmt, hier geht's schon oft zur Sache, sehr gut beobachtet! Ich denke das ist einfach 'ne Mentalitätsgeschichte. Obwohl es bestimmt auch Gruppen außerhalb Frankfurts gibt, die auch "nach vorne gehen". Doch die Theorie über die Frankfurter, oder eben Hessen, kann man schon bekräftigen.

Bei den Monotones warst du von 1977 bis 1990 als Saxophonist. Vermisst du manchmal die damaligen Zeiten?

Henni: Saxophonist, vor allem aber 2ter Sänger. Wenn man das gerne macht, dann ist es auch geil, das mit einer Band und so dermaßen guten Musikern, wie bei den Monotones zu machen. Ich vermisse generell Musik. Gerd fängt ja nicht zuletzt deshalb jetzt wieder an, ein eigenes Musikprojekt auf die Beine zu stellen. Wir merken immer und immer wieder, das uns diese unheimlich schöne Art, sich auszudrücken, unheimlich wichtig ist. Aber mein Leben mit den Monotones fehlt mir nicht. Nach 13 Jahren, da war es mir im wahrsten Sinne des Wortes zu monoton. Nicht, was die Band angeht, aber es gab keine Möglichkeiten mal die Form zu ändern. Alle 1 1/2 Jahre eine neue CD und dazu 'ne Tour, die immer ähnlich von sich ging wie die davor. Es gab meines Erachtens nicht genug Abwechslung. Ich mein', wenn ich an Badesalz denke: Wir haben 7 CD's rausgebracht, 6 verschiedene Bühnenprogramme, vergangene und aktuelle extrem spannende Filmprojekte am laufen... man ist immer noch gespannt, wer im nächsten Morgen anruft und vielleicht etwas von einem will. Musik spielt aber dennoch eine große Rolle.

Habt ihr bezüglich eurer Arbeit musikalische Vorlieben?

Henni: Nee, kann ich so eigentlich nicht sagen. Wir haben unheimlich viele Musikrichtungen persi-
fliert und es kommt oft vor, dass man das, was man persifliert, auch noch mag. Ich sag dir 'n Beispiel: Wir haben doch vor vielen Jahren "Black or White" von Michael Jackson rausgebracht. Da kam im Vorfeld einer von der Blaskappelle zu mir und meinte: "Hier, ihr kennt doch des Neue von Micheal Jackson. Ich hab schon 'n Arrangement in Aussicht. Ich kann den Typ und des Lied einfach net leiden. Ich möchte den Song gern verarschen!" Wir sagten: "Okay Alex, wir machen's. Aber der Grund weshalb wir des machen ist, weil wir das Lied total geil finden und wir haben total Lust des zu singen." Wir haben das dann relativ schnell arrangiert und die Sache hat geklappt.

Da kannste mal sehen... Übrigens: Gäb's die Möglichkeit, dass ihr eure auf der 98er Tour gezeigte Coverversion von Nirvanas "smells like teen spirit" mal auf Platte bringt?

Henni: Also, ich glaube die Verlagsrechte kriegen wir. Das war's Mädsche aus Hanau?

...Ja, genau... helau, helau...

Henni: Kann ja sein, dass, wenn wir mal wieder 'ne reine Musikplatte machen, vielleicht auch 'n paar witzige Coverversionen drauf machen. Da wär' des auf jeden Fall schon mal 'n Kandidat.

Ich hab Gerd schon mal bei einer anderen Gelegen-
heit gefragt, was er so hört. Soul, wie du gesagt hast, aber auch Hardcore! Hat mich verwundert. Ihr habt eure Musikliebe anscheinend noch in einer weiteren Version ausgelebt...

Henni: Stimmt, unser Projekt namens: "The Hotz". Da haben wir vor drei Jahren 'ne englischsprachige Platte mit 12 eigens komponierten Rock-Popsongs mit sehr eigenwilligen Texten versehen aufge-
nommen. Wir hatten da einfach unglaubliche Lust drauf! Zumal wir vorher schon eine Nummer in diesem Stilaufgenommen hatten und unsere Freunde davon total begeistert waren. Also dachten wir uns: Machen wir halt 'n ganzes Album. Da wir aber genau wussten, dass es nur Irritationen geben würde, wenn Badesalz ein englischsprachiges Album rausbringt, haben wir dazu eine komplette Biografie erfunden: Die Geschichte von zwei Brüdern, die von Deutschland nach England ausgewandert waren und fast berühmt wurden, denen aber leider ein kleines Missgeschick passierte: Bei einem superwichtigen Auftritt geht einer der Pyroeffekte in die britische Flagge über ihnen los, sie reißen die Flagge runter, trampeln sie aus, das Publikum versteht es als eine symbo-
lische Ohrfeige gegen ihr Land, es gibt 'ne Schlägerei, der Club wird zerstört und die Karriere der beiden ist zu Ende. 25 Jahre später hat eine kleine Firma die beiden überredet wieder 'n Album aufzunehmen... Das war - in Kurzform - das, was wir uns zu The Hotz ausgedacht haben! Wir selbst kamen auf dem Album namentlich nicht vor. Wir haben das alles erfunden. Es gab im Anschluss an die Veröffentlichung ca. 150 Rezensionen in Musikzeitschriften und im Internet, die es alle geglaubt haben: "Wow, 'The Hotz' sind wieder da." Sogar Stern- Online, kein Witz! Einer schrieb: "Die beste Platte, die ich seit 1986 besprochen habe." Wieder ein anderer sagte: "Diese Platte muss man eindeutig zwischen 'The Who' and 'The Strokes' einordnen:" und "ohne diese Band hätte es 'Pulp' nie gegeben." Die haben es geglaubt und was das Reinlegen der Plattenindustrie angeht, war's 'n voller Erfolg. Leider hatte die Firma im Anschluss nicht genug Geld, um das Ding noch mal werbemäßig ordentlich umzusetzen. Die Sache ist einfach verpufft. Wir haben davon viel weniger verkauft als von unseren Badesalzplatten. Leider!

Wie kam es zur Veröffentlichung eurer ersten Platte "Nicht ohne meinen Pappa"?

Henni: Ich muss dich leider korrigieren...

Hä?

Henni: Die erste Veröffentlichung war "Och Joh".

Och joh, ehrlich?

Henni: Ja, ich mein, bei so vielen Platten kann das schon mal passieren.

Die letzte deutsche Schallsprachplattenveröf-
fentlichung lag nunmehr 10 Jahre zurück und es bestand ja immerhin auch die Möglichkeit, dass euer Vorhaben in die Hose geht. Gab es ein Schlüsselerlebnis, dass euch dazu bewegt hat zu sagen: So und des machen wir jetzt?

Henni: Nein, also man muss ehrlichkeitshalber sagen, es ging doch ein bisschen anders ab. Wir haben live gespielt und irgendwann hat unser damaliger Manager die Chefetage von Sonymusic angeschleift. Jetzt saßen die da alle im Publikum. Da kam der Chef zu uns und sagte: "Ich möchte gern, dass ihr bei uns 'n Plattenvertrag unter-
schreibt." Auch wenn wir in dem Moment noch gar nicht wussten, was wir da so genau CD-mäßig machen würden, haben wir zugesagt... Später haben wir Demos gemacht - mit 'nem noch kleineren Recorder als du ihn da hast. Wir haben Sketche geschrieben und es vor allem darauf angelegt, Geschichten zu schreiben, die man gut hören kann ohne sie zu sehen. Wie Minihörspiele. Wir haben es dem Chef gegeben, der fand's gut, wir sind ins Studio gegangen, die haben die Produktion bezahlt und dann kam die erste Badesalzplatte raus... Wir haben das alles extremst entspannt gesehen. Es gab damals Wetten, wie viel Platten man von so was verkaufen kann. Ich hab gesagt, dass man ungefähr 5'000 verkaufen kann, Gerd ging von 7'000 aus, Jochen (Sony-Chef) sagte 15'000 wären gut. Es wurden 150'000 Platten. Mittlerweile sind es 1.6 mio. was wir an Platten verkauft haben und das hätte damals ehrlich niemand für möglich gehalten! Es ist immer gut wenn man seine eigene Erwartungshaltung niedrig ansetzt und nicht so ’n Druck hat. Desto niedriger man seine eigene Erwartung ansetzt, umso entspannter geht man an die Sache ran. Ich muss sagen, wir haben immer nur Spaß gehabt. Klar, wenn du irgendwann 'ne Goldene bekommst, das ist 'n wahnsinnig schönes Gefühl. Du denkst: Das kann dir jetzt niemand mehr wegnehmen. Aber du machst es nicht deswegen. Du machst es für den Spaß.

Wie hätte deine berufliche Perspektive ansonsten ausgesehen?

Henni: Ich wär' sicherlich Sportjournalist geworden. Außerdem haben wir ja des Notabitur, des gab's damals für fünf Mark am Kiosk! Das ist in einem Glaskasten, und wenn man das Abi dringend braucht, schlägt man das Glas ein und nimmt's raus... Ziemlich praktisch, vor allem wenn sonst nix mehr geht. Ansonsten wär ich auch gerne Rechts-
außen bei der Eintracht geworden oder Tierarzt. Am optimalsten wäre gewesen: Profifußballer, der als Sportjournalist die Kritiken selber schreibt und am Wochenende noch 'ne eigene Tierarztpraxis hat, in deren Eingangshalle sich zufällig noch eine Pizzeria befindet...

Passt doch... Wenn man in eure weitere Biographie schaut, so fällt auf, dass ihr euch im Laufe eurer Karriere besonders auch durch provokante Neu-
versuche verdient gemacht habt. Hierbei sei beispielsweise euer "Winni und Shatty"-Sketch genannt. Das hat damals nicht nur Zustimmung gefunden.

Henni: Naja, überleg mal: "Der Schuh des Manitu" 12 Jahre später. Ich hab unseren Sketch mal dem Christian von der Bullyparade vorgespielt. Der kannte das nicht und wusste folglich auch nicht, dass ich auch schon Ranger Old Shatterhand war. Ob es der Bully als Autor auch nicht kannte, sei mal dahingestellt... aber ich hab dich unterbrochen...

...ja, war diese Art der Komik für euch ein Muss oder ergab sich das als Nebenprodukt eures puren Willens gute Comedy zu machen?

Henni: Ähem, also mit Winni und Shatty, des war mir gar net so bewusst, dass des so provokant war. Aber man kann sagen, dass manche Dinge so 'ne Eigendynamik bekommen. Beispielsweise unser Sketch über Anthony Sabini, die Yeboah-
geschichte. Das hat wahnsinnig polarisiert. Ich hab keine Ahnung warum. Manche haben gesagt, wir hätten das Prolltum ja noch unterstützt. Eigentlich haben wir uns ja nur lustig drüber gemacht. Also das Provozieren ist jetzt nicht so 'ne Methode. Man macht halt gewisse Dinge und nimmt halt in Kauf, dass es gewisse Leute provoziert. Wenn man es jedoch als Methode praktiziert, so wirkt es, finde ich, schnell aufgesetzt.

Welche Rolle erfüllt Comedy eurer Meinung nach allgemein im Bild unserer heutigen Gesellschaft? Oder erfüllt sie vielleicht über ihren Bestand als puren Klamauk keinen weiteren Zweck mehr?

Henni: Doch! Die Leute wollen immer lachen, egal in welcher Situation. In jeder Phase dieser Geschichte. Das geht zurück bin in die biblische Zeiten. Das wird auch immer so bleiben. Lachen hat vor dem Hintergrund der jeweiligen Zustände auch immer eine politische Bedeutung. Gut, es gibt genug Leute, die im Moment viel Schrott ver-
klappen. Unheimlich langweiliges Zeug, immer nur über Frauen und Schuhekaufen. Da sagt man nur: Nicht noch mal und noch mal.

Aber allgemein kann man schon sagen, dass Comedy durchaus auch eine politische Bedeutung hat. Würdet ihr euch vielleicht sogar als politisch betrachten?

Henni: Also wir sind ja kein Kabarett. Wir machen keine Witze über Schröder und Co. Aber es gibt nicht wenige (zB. Mathias Beltz, unser verstorbener Freund und Kollege) die sagen wir würden immer den schmalen Pfad zwischen Kabarett und Comedy gehen, eben weil wir auch vielen reaktionären Typen und Arschlöchern genau aufs Maul schauen. Die spielen in unserer Gesellschaft ja auch 'ne beson-
dere Rolle. Es ist ja nicht so, dass hier die Gesell-
schaft ist und da die Politiker und wir regen uns jetzt nur über die Politiker auf. Es gibt innerhalb unserer Gesellschaft genug reaktionäre Arschlöcher oder wahnsinnig viele schlechte Menschen etc. Da is es schon 'ne gute Ebene um sich auszutoben und sich über Leute lustig zu machen, die einfach nur nerven. Von daher ist das, was wir machen, schon gesellschaftspolitisch.

Mathias Beltz... gleich auf der ersten Seite eures '93 erschienen Sammelwerkes "Badesalz - Vaz daz den?" fand ich im Bezug auf Sinn und Absicht der Gruppe Badesalz in einer Art Präambel von ihm folgenden Satz: "Badesalz hat aber auch... die Botschaft des Mitleids mit den kleinen Deppen, den Arschlöchern und Knallkoppen dieser Welt..." Der Begriff "Mitleid" kann in diesem Kontext doch nur als Ironie aufgefasst werden, oder täusch' ich mich da? Ich hab manchmal so den Eindruck gehabt: Badesalz ist eine einzige Abrechnung mit gewissen Leuten. Wie du schon sagst: Den "reaktionären Arschlöchern" aufs Maul schauen und ihnen gerad' das zurückgeben, was sie verdienen. In eurer Form natürlich. Wo herkömmliche Gerichte versagen, da richtet die Satire, das Theater etc...

Henni: Mathias war schon immer ein Meister des Wortspiels und es stimmt natürlich: Das Wort "Mitleid" ist schon eher ironisch gemeint. Trotzdem ist es nicht ganz falsch, was Mathias hier sagt. Es gibt Figuren über die man lacht, die einen aber gleichzeitig rühren. Es ist ja nicht so, dass alle auf unserer Platte vorkommende Figuren schlecht weg kommen. Selbst Richie und Headbanger sind in ihrer Blödheit doch irgendwie Figuren, die wir gemocht haben. Wir haben die ja sogar über die Jahre hinweg 'ne Familie kriegen lassen. Head-
banger mit seinem Sohn usw.

Also man kann da schon so ein Mischgefühl entwickeln. Wo wir gerade dabei sind. Gibt's Richie und Headbanger eigentlich auch im Original?

Henni: Also ich glaub schon, dass es die irgendwo im Original gibt, wenn auch nicht mit genau diesen beiden Namen... Ich schätze mal, sie leben irgendwo in Sossenheim oder im tiefen Odenwald! Wir hatten übrigens schon immer unheimlich mit Rockern zu tun gehabt... allein schon über die Monotones und Flatsch!... Irgendwann hast du sie alle gesehen: Die Dicken mit ihren Kutten und die kleinen Dünnen auf ihren Mopedsches: "Hier, Vorsischt hier, isch hau dir uff die Fress, Alder...", dabei siehst du schon: bei einem Puster fliegt er vom Motorrad. Irgendwann war klar, dass wir zwei derartige Figuren unbedingt 'erschaffen' müssen. Und auch klar war: Gerd spricht den Headbanger, den Kräftigen also, der dann auch noch die dicke Anita dabei hat und ich halt den anderen, der eher etwas schmächtiger ist, dafür aber ne große Fresse hat...

Um noch mal zur Provokation zu kommen. Das scheint eine enorm wichtige Komponente ins-
besondere modernster Comedy zu sein. Ich denke da beispielsweise an Ingo Appelt, der die Gürtellinie gerne mal 'n bisschen tiefer ansetzt, als es so mancher Normalbürger vertragen kann...

Henni: ...wie man gerade erst wieder bei der Goldenen Kamera-Verleihung gesehen hat...

...ja, aber wie weit darf man eurer Meinung nach gehen? Wo liegen die Grenzen?

Henni: Ich leg die nicht fest, jedenfalls nicht für andere, nur für uns selbst. Ich finde aber, dass beispielsweise Ingo Appelt und auch andere es sich manchmal sehr einfach machen... also, wenn man sich nur drüber lustig macht, dass jemand alt ist (was ja nachweislich jeden von uns ereilt) und man seine Falten bekommt. Oder wenn ich an die reaktionären Witze denke, die lange Zeit über die Kellyfamily gemacht wurden, nur weil sie lange Haare haben. Ich erinner' mich noch gut, dass mein Bruder, nur weil er lange Haare hatte, von Bauarbeitern auf offener Straße verprügelt wurde. Ich mein, du hast ja auch längere Haare. Heute ist das ja kein Thema mehr. Damals in den 70er, 80er Jahren war es schwer, auch für mich mit meinen langen Haaren. Ich erzähl des deshalb, eben weil ich die ganzen Witze über die Kellyfamily, die sich nicht wäscht, irgendwann nicht mehr hören konnte, egal wer sie gemacht hat. Wir mögen es einfach nicht. Ich fand Ingo Appelts Bemerkung Richtung Uschi Glas (Anm. d. R. gemeint sind die kürzlich erschienen Bikinifotos) bei dieser Verleihung ganz daneben.... jemandem, der in letzter Zeit ohnehin schon genug auf die Fresse gekriegt hat, noch mal in der Öffentlichkeit live vorzuführen... ich fand's blöd und auch nicht besonders mutig. Ich mein, ich kenn den Ingo Appelt, ja... wir kommen gut klar miteinander, aber das war trotzdem doof. Oder
Mundstuhl, wo Bilder von dicken Frauen an die Wand projeziert werden und dann dumme Sprüche drüber gerissen werden... des gibt mir nix! Wie im Kinder-
garten. Also wenn jemand glaubt, nur aufgrund der harten Sprache wirklich was Provokatives herzustellen... vollkommener Blödsinn!!!

Dennoch schaffen sie es mit dieser Art der Comedy Erfolg zu schlagen?!

Henni: Ja, aber nicht bei allen. Ich kenn auch Leute, die des grottenschlecht finden, das durchschauen und sagen: "Es ist mir zu billig, auf jemandem draufzuhauen, der es ohnehin nicht leicht hat." Es ist halt viel schwieriger sich mit anspruchsvollen Gegnern auseinanderzusetzen und interessante Gedankensweisen und Zusammen-
hänge zu entwickeln.

Ist für eine derartige Abrechnung mit seiner Umwelt, wie ihr sie meines Erachtens zelebriert, nicht ein gewisses Maß an Nihilismus notwendig? Naja, der Gedanke tat sich auf, als ich euch mal in einem Interview gesehen habe. Ihr kamt mir n bisschen... ja sozusagen angepisst vor... Es war jetzt keine Situation, in der ich persönliche gesagt hätte: "Man, die Moderatorin geht mir ja so was von auf den Sender." Mir schien es, als wolltet ihr durch eure ganze Haltung, Mimik, etc. ausdrücken, dass die da vor euch doch eh nicht begreift, was wirklich hinter Badesalz steckt. Daher der Gedanke an "Nihilismus"...

Henni: Wenn du Nihilist bist, dann ist es natürlich gefährlich, Comedy zu machen. Ich bin das Gegen-
teil von einem Nihilist, ich bin ein Optimist. Ich glaube an sehr viele gute Dinge und auch an gute Menschen. Manchmal bin ich wohl auch etwas zu gutgläubig, aber Nihilismus halte ich für 'ne extrem schlechte Eigenschaft für einen Komiker. Du wirst dann extrem zynisch. Es gab zB. einen Komiker mit dem Namen Lenny Bruce - wird dir nix sagen. Der hat die Welt gehasst und irgendwann hat er nur noch todernst auf der Bühne gestanden und über die Dinge geredet, die ihn angekotzt haben. Die Leute sind reihenweise aufgestanden und rausgegangen. Es war 'ne unheimlich dramatische Geschichte. Da redet man heute noch mit 'ner gewissen Bewunderung von, aber mich gruselt das auch gleichzeitig! Ich bin nicht verzweifelt oder so was... Badesalz ist einfach nur ein guter Weg, sich an gewissen Arschlöchern zu rächen.

Was Anderes: Ich hab Zeitungsausschnitte über einen unangenehmen Vorfall, der nun schon zehn Jahre zurückliegen dürfte, gefunden. Es ging irgendwie um einen Gig, der von irgendeinem Individuum angekündigt wurde, von euch aber niemals geplant war...

Henni: ...Eine legendäre Geschichte...

Erzähl' mal, was ist den damals passiert?

Henni: Also, das war so. Ich war gerade am Kofferpacken, weil Gerd und ich am nächsten Tag einen Auftritt in München hätten. Da rief 'n Typ an und fragte: "Ja, könnt ihr euch vorstellen in Diez bei Limburg zu spielen?"
Ich so: "Ja klar."
"Übermorgen?"
Ich lach noch so und fragte: "Wie übermorgen...??"
"Also übermorgen geht net?"
"Nee, wir sind morgen und übermorgen in München, außerdem kannst du doch net zwei Tage vorher anrufen. Das muss man ungefähr ein Jahr im Voraus besprechen."
Der Typ entgegnete nur knapp: "Ah ja...schad halt..." Und legte auf. Zwei Tage später rief unser Manager direkt vor dem Auftritt in München an und erzählte mir, dass ein Typ in Diez zwei Auftritte mit uns angekündigt und beide Abende ausverkauft hatte... ohne, dass wir davon auch nur irgendwas wussten. Da fiel mir wieder ein, dass es dieser komische Kerl gewesen sein musste. Komischer-
weise ist er dann aber noch nicht einmal mit dem Geld abgehauen. Also, der muss richtig fertig gewesen sein.

Was ist bei rausgekommen?

Henni: Tja, wir haben ihn ja in dem von dir vorhin genannten Buch noch mal aufs Korn genommen. Dafür wollt er uns dann noch verklagen... is aber natürlich nix bei rausgekommen.

Da fällt mir nix mehr ein... klasse! Ja, mal angenommen, Du sagst eines Tages: "Ich hab die Schnauze voll! Ich hab kein Bock mehr!..."

Henni: Ich denke mir, dass ich schon als, sagen wir mal: "freischaffender Künstler" weiterarbeiten möchte, weil ich das nicht aushalten könnte, auf einmal in 'nem Büro zu sitzen. Ich glaub auch nicht, dass sich das auf einmal einstellen würde. Wir schreiben ja nebenbei auch noch viel für uns. Und ich kann mir vorstellen, dass ich das in Zukunft auch für andere tue. Wenn man die Birne wach hält und nicht zu altmodisch denkt, dann kann man auch für jüngere schreiben. Das könnt ich mir vorstellen. Also andere Künstler featuren. Ich muss auch nicht immer auf der Bühne stehen! Wenn man sich allerdings 'ne adequate Form bewahrt in der man sich wohlfühlt dann kann man das auch lange machen. Es gibt kein Verfallsdatum für Komiker. Otto zB., der macht jetzt auch die Jahrhunderthalle im Mai dreimal voll!

Obwohl man bei euch noch sagen könnte, dass ihr euch entwickelt habt!

Henni: Ja stimmt, das ist bei ihm nicht so sehr ...ähem... ausgeprägt. Aber die Leute lieben ihn trotzdem und das ist auch eine gute Eigenschaft der Deutschen. Das darf man gar nicht so unter-
schätzen. Es heißt ja immer: "Oh, die Deutschen" und im Ausland haben wir auch immer so 'n komischen Ruf. Die Deutschen können mit ihren Künstlern auch sehr sentimental sein, siehe Grönemeyer. Ich mag den Otto persönlich total gerne als Typ. Wir sollten ja jetzt beispielsweise auch in seinem Film mitspielen, was dann leider doch nicht geklappt hat. Trotzdem war's schön, einfach wieder Kontakt zu ihm zu haben. Das ist jemand dem man viel gönnt.

Anderes Thema: Ihr sagt im Oktober geht's wieder auf Tour... mit neuer Scheibe?

Henni: Also die neue Platte haben wir gerade aufgenommen. Wir sind ja gerade erst aus'm Studio wiedergekommen. Die muss jetzt halt noch gemischt und geschnitten werden. Das ist die erste zusammenhängende Scheibe von Badesalz, also man kann auch die Tracks einzeln hören, es hat aber alles miteinander zu tun. Es ist 'ne Art Science-Fiction-Märchen. Wir wollten nach sieben Platten auch da mal 'ne Veränderung haben. Die Platte wird auch das neue Bühnenprogramm, was ja bei uns bislang nie so war. So, wie es aussieht, werden wir speziell dieses Programm mit zwei guten Freunden auf die Bühne bringen, so eine Art "Badesalz und Freunde"- Projekt. Hatten wir in der Form auch noch nie!

Ich bin bis zu meinem heutigen Tag zweimal in die genüssliche Situation gekommen euch live zu sehen. Was war dein bisher schönstes Tour-
erlebnis mit Badesalz?

Henni: Da gab es zu viele Momente, die irgendwas hatten, sodass man das gar nicht so sagen kann! Des mischt sich so. Aber...als wir vor ein paar Jahren mit dem vorletzten Bühnenprogramm in der Jahrhundert-
halle aufgetreten sind, das hatte eine unheimliche Bedeutung für uns. Ich war schon so oft als kleiner Bub in dieser Halle gewesen, hab große Konzerte gesehen und sie erschien mir immer so weit weg für einen selbst. Wir haben immer gesagt: Wir spielen nicht in so großen Hallen, damit man uns noch sehen kann. Doch einmal im Leben muss man das wohl machen. Beide Abende waren ganz großartig und wir waren ganz gerührt in so einer großen Halle, wo halt auch eine bisschen vornehmere Atmosphäre herrschte, spielen zu dürfen. Aber das ist es halt nicht nur: Wir haben auf der selben Tour in einem Kaff im Osten gespielt, mit dem Namen Glauchau. Das kennt hier kein Mensch. Als wir ankamen hab ich mit 'm Handy n Taxi gerufen und es hat auf der anderen Straßenseite in einem Kasten geklingelt, so ein Kaff ist des... Wir sind aber an dem selben Abend vor nur 350 Leuten aufgetreten. Da stehst du dann auf so 'ner uralten Bühne mit uralten Bühnenarbeitern nebendran und du denkst dir nur: Was gibt des?!? Zum Schluss hatten wir stehenden Applaus von den 350 Leuten und kamen einfach nicht mehr von der Bühne runter. Es war ein so intensiver, schöner Abend. Zum Schluss haben wir nur noch total glücklich gefeiert. Das sind auch Events, die du nicht vergisst.

Gab's auf der Bühne auch schon mal Situationen in denen du am liebsten im Boden versunken wärst?

Henni: Naja, es gibt ja auch Abende an denen du denkst: Du bist hier völlig fehl am Platze! Peinlich war uns dem hingegen 'ne Aktion, die liegt schon ewig zurück... hm, da warst du noch klein... Sagt dir die Barschelaffäre noch was?

Sicher...

Henni: Wir haben an einem Abend in Wiesbaden gespielt und hatten zum Ende des Programms hin einen Part drin, an dem de Gerd ein Telefon-
gespräch mit einer Frau Batz improvisierte. Und da halt gerade die Barschelaffäre war, fiel dann auch mal der Spruch: "Ja, ja de Barschel is e riesen Arschloch. Da habbe se rescht Frau Barschel... ganz 'n linke Hund is des... ja, ja..." Und die ganzen Leute im Publikum: "Uhhh.... ahhhh.... also nee...!". Wir wussten nicht, warum die jetzt so reagieren. Dann war der Gig zu Ende und die Sache war auch soweit auch in Ordnung. Dann kam 'n Kumpel auf uns zu und sagte: "Hier, des mit em Barschel fand ich unheimlich mutisch von eusch." Da meinte der Gerd: "Wieso mutisch. Mir machen des doch jeden Abend." - "Ja, habt ihr des net midbekomme. Den hamm' se doch heut tot in der Badewanne gefunden!" Wir waren die Einzigen, die kein Radio gehört hatten. Es war nachmittags um fünf Uhr bekannt geworden, wir hatten aufgebaut, sind dann abends ohne dieses Wissen auf die Bühne und haben unsere Witze über Barschel gemacht. Wir hätten des natürlich nie gemacht, wenn wir gewusst hätten dass der tot ist; das macht mer ja net!!!

Oh Mann! Thema Frau Batz: Woher zieht ihr eigentlich eure Inspiration. Ich beispielsweise brauch mich nur in die Kneipe zu hocken, im HL an die Kasse zu stellen und den alten Damen beim Einkaufsgespräch zuzuhören... das langt mir. Schon hätte ich 'ne Platte zusammen. Geschieht das bei euch in ähnlicher Art und Weise?

Henni: Gibt's auch. Es klingt zwar alles so, als hätten wir den Leuten aufs Maul geschaut, aber ich kann nicht sagen, dass das immer die Inspiration war. Wir haben jetzt allein für die CDs schon weit über 300 Dinger geschrieben und aufgenommen... da geht's einfach nicht, dass du dich immer in die Kneipe hockst und den Leuten zuhörst. So ergiebig ist das dann doch auch nicht immer. Aber manchmal hast du auch Glück und dir passiert irgendwas Merkwürdiges... Ich erzähl dir noch schnell eine Geschichte, die ich ehrlich erst vor ein paar Tagen erlebt habe, ohne Quatsch! Ich wollte bei SAT.1 in Berlin anrufen, um mit jemandem wegen unserer Vertragsrechte bezüglich unserer Fernsehserie zu reden. Also, ich rief an und hab mich verbinden lassen. Da hatte ich einen Mann dran und ich hab dann einfach mal angefangen zu erzählen: "Ja, ich bin der Henni Nachtsheim von Badesalz, ich rufe an... und wir wollen... etc." Er antwortete nur mit: "Ja, ja, klar, ick versteh', ick versteh' schon..." Ich hab fünf Minuten am Stück geredet. Zuletzt bat ich ihn, mir den Vertrag zuzufaxen. Er antwortete:
"Nee, det geht nich. Si sin hia völlich verkehrt. Ick sitz hier draußen in der Bauhütte - wir machen hier die Rohre. Mer hat se falsch verbunnen."
"Ja, aber sie haben mich fünf Minuten lang reden lassen."
"Ja, war ja auch spannend, fand ich echt irre. Vor allem hab ick als versuch rauszufänden wat Badesalz iss."
"Wir sind n Comedyact aus Frankfurt. Muss man in Berlin nicht unbedingt kennen."
"Nee ick kuck eh keine Komik, ick interessier mir nur für Fußball."
Ich hab gebrüllt vor Lachen... so was kann man sich doch net ausdenken...

Geschichten die das Leben schreibt. Letzte Frage am Schluss: Wer übernimmt das Badesalz-Erbe? Deine Töchter?

Henni: Wenn, dann mein Sohn. Er ist 'n guter Komiker, jetzt schon. Er hat wirklich gute Ansätze. Das könnt ich mir also zumindest vorstellen, aber ob das dann wirklich so kommt... Ich weiß nicht... Vielleicht übernehmen wir auch selbst unser Erbe, indem wir die Sache einfach noch sehr lange durchziehen. Aber möglicherweise muss es dann auch irgendwann mal abgeschlossen sein. Wir haben bis jetzt schon so viele Leute inspiriert mit unserer Art. Das ist ja auch schon mal was. Ich hab mir da noch nicht so viel Gedanken gemacht... Es ist einfach noch zu früh.

Henni, danke für das gute Gespräch!

Henni: Nix zu danken!


kurzschluss-goethe.de - Jan Feser - 30.03.2004