| Henni Nachtsheim kommt zum Behindertentag nach Bad Hersfeld. Was erwartet die Fans? Henni: Die erwartet eine Mischung aus Musik und Standup-Comedy. Es gibt jede Menge Musik, gespielt von einer hervorragenden Band, die bundesliga- tauglich ist, wie ich immer sage. Zwischen den Stücken gibt es immer wieder Geschichten, die die Stücke näherbringen und die lustig sind. Die Leute mögen diese Form, diese Geschichten, und dass es viel zu Lachen gibt. Neben der Arbeit und den Auftritten mit der Band ist Henni Nachtsheim ja immer noch 50 Prozent des Comedy-Duos Badesalz. Und dann müssen auch noch die Kolumnen über die Frankfurter Eintracht geschrieben werden. Wie viele Stunden hat Ihr Arbeitstag? Henni: In der Regel, ohne zu übertreiben, immer zwischen 12 und 14. Sind Sie eigentlich ein musikalischer Comedian oder ein komischer Musiker? Henni: Das ist eine gute Frage. Das hat so noch nie jemand formuliert. Aber es ist mir egal, suchen Sie sich eins aus. Beides stimmt wahrscheinlich. Aber wenn man von der Chronologie der Ereignisse herangeht, dann war zuerst die Musik, dann habe ich Texte geschrieben, dann habe ich Gerd kennen gelernt, und dann haben wir Badesalz gegründet. Von daher bin ich wohl ein komödiantischer Musiker. Vermissen Sie die gute alte Zeit bei den Rodgau Monotones? Henni: Dadurch, dass ich eine wunderbare Band habe, dadurch, dass Ali Neander, der Gitarrist der Monotones, dabei ist und mit mir die Stücke arrangiert, vermisse ich das nicht wirklich. Aber ich genieße es, wenn wir teilweise Doppelkonzerte geben, was wir in letzter Zeit öfters mal gemacht haben. Ihr Album „... dann tanzt die Omma mit George Clooney“ ist noch ganz frisch. Was passiert eigentlich, wenn der Omma die Puste ausgeht? Henni: Das ist ja nur für eine Nacht. In meinem Modell passiert das nicht. Es geht darum, dass ich mir überlegt habe, Altersheime sind oft sehr trist. Da war der Gedanke: wäre es nicht schön, wenn einmal im Jahr eine Fee auftaucht und den alten Herrschaften Wünsche erfüllt?! Zum Beispiel, dass dann die Omma mit George Clooney tanzt. Und wenn der die Omma zum Tanz auffordert, dann geht der auf keinen Fall die Puste aus. Welches Projekt planen Sie als nächstes? Henni: Als nächstes gibt es tatsächlich ein Lesungs- programm aus meinem Buch mit Kolumnen über die Eintracht. Aber da ich ein schlechter Vorleser bin wird es ein Lesungsprogramm ohne zu lesen werden. Das heißt, ich bin ab Mitte September zwei Monate mit einer Art Standup-Programm zum Thema Fußball unterwegs. Und ich betone, es soll kein Programm für Fachidioten werden. Auch Leute, die überhaupt nichts mit Fußball am Hut haben, sollen auf ihre Kosten kommen. Sind Sie als Fan der Frankfurter Eintracht eigentlich ein sehr leidensfähiger Mensch? Henni: Ja, das muss man als Fan der Eintracht immer sein. Also bin ich schon über 20 Jahre sehr leidens- fähig. Badesalz haben es immer wieder verstanden, die Kicker der Eintracht zu vergackeiern. Ich denke nur an Anthony Sabini (Yeboah), das alte Bimbosche. Wer würde sich denn heute als Opfer anbieten? Etwa der Brasilianer Caio, der sich bei Sonnenschein immer ein schattiges Plätzchen auf dem Rasen sucht? Henni: Die ganz extremen Typen oder extremen Geschichten. Bei dem Anthony Sabini ging’s ja gar nicht um den Fußball, sondern um die Fans und deren Opportunismus. Da bietet sich im Moment nicht sehr viel an. Ich habe das auch rückwirkend bei den Kolumnen gemerkt. Die zurückliegende Saison war schwierig zu beschreiben. Weil es immer so einen Gleichstand gab. Die Mannschaft ist relativ unauffällig von den Typen und gibt nicht viel her, um sich richtig fett drüber lustig zu machen. Wann hören wir wieder etwas von Badesalz? Henni: Premiere mit dem neuen Programm ist am 20. April 2010. Wie aggressiv darf Komik sein? Henni: Da, wo es Leute verdient haben, also wirklich Leute, die anderen Menschen Schaden zufügen oder Menschen, die sehr selbstgefällig sind und uns mit ihrer Art nerven, da darf man schon einmal härter rangehen. Was wir aber nie machen sind Witze über Leute, nur weil sie eine Schwäche haben. Witze über die Kelly Family, die sich nicht wäscht, das fanden wir sehr reaktionär und sehr billig. Das ist überhaupt nicht unsere Art. Aber wenn jemand ein gutes Feinbild abgibt, irgendwelche schlimmen Politiker, Diktatoren oder ein schlimmer Hausmeister, der kann schon mal sein Fett wegkriegen. Haben Sie schon einmal Späße über Behinderte gemacht? Henni: Nee. Ich müsste überlegen. Nee. Ich ras jetzt mal unsere Palette mit 1000 Sketchen durch. Nee. Ganz sicher nicht. Hersfelder Zeitung - Mario Reymond - 20.06.2009 |