| "junge Welt" sprach mit Henni Nachtsheim und Gerd
Knebel, besser bekannt als das hessische Comedy-Duo
Badesalz.
Sie touren durch die ganze Republik. Gibt es beim Publikum Unterschiede? Gerd: Das hängt eher von der Tagesform ab und welche Leute gerade kommen. Manchmal denkt man, denen hat es gar nicht gefallen, weil sie nicht aus sich rausgegangen sind. Nach dem Konzert erfährt man aber, dass alle es toll fanden, es halt nur nicht so zeigen konnten. Viele Comedy-Künstler verabschieden sich vom Fernsehen. Die Wochenshow macht Schluss, Bully will auch nicht mehr. Ist die Comedy-Hochzeit vorbei? Gerd: Auf keinen Fall. Wenn jemand aufhört, werden neue Leute kommen und andere Sendungen präsentieren. Henni: Natürlich spielen die Einschaltquoten eine wichtige Rolle. Wenn die Leute keinen Bock auf zu alberne Sendungen haben, erledigen die Quoten so etwas von selbst. Bedarf für Comedy wird immer sein, man müsste halt alles qualitativ mehr unter die Lupe nehmen. Gerd: Für uns ist es nicht so wichtig, wann unsere Sendung läuft. Sie kann ruhig auch um Mitternacht gesendet werden, wenn sie dafür schräger sein darf. Auf dem neuen Album gibt es den Sketch "Essen gegen rechts". Ist die Aktion selbst erlebt? Gerd: "Essen gegen rechts" beruht auf Wahrheit. In einer hessischen Zeitung stand etwas darüber. So etwas ist ungeheuerlich. Ich dachte erst, es ist eine Szene aus dem Satiremagazin "Titanic". Es gibt doch wirklich Leute, sogar Promis waren dabei, die sich einfach nicht schämen, am Abend Lachshäppchen und Täubchen zu fressen und alles dann noch als "Aktion gegen rechts" deklarieren. Seitdem haben sich in Deutschland alle Skinhead-Gruppen aufgelöst. Es fällt richtig auf... Henni: In Frankfurt lief die Veranstaltung "Essen für Obdachlose", natürlich unter Ausschluss der Obdachlosen. Eines Ihrer Stücke schießt gegen den Berliner Dialekt. Gerd: Es gibt Leute, die meinen, sie müssen nur ein bisschen berlinern und schon ist es lustig. Henni: Dieser Sketch ist parteiisch. Seit langem stehen
Sächsisch und Hessisch auf der Beliebtheits- Freuen Sie sich auf die Reden der Kanzlerkandidaten? Gerd: Ich glaube, das wird langweilig. Da werden sich zwei Leute schön geben und probieren, souverän zu sein. Der Stoiber wird versuchen, nicht so viel zu stottern. Er nimmt Beruhigungstabletten und bekommt über Monitor das Sprachtempo vorgegeben. Der Schröder regt sich vorher noch über ein Titelblatt auf, auf dem er etwas zu dick gezeigt wird.jungewelt.de - Thomas Behlert - 25.06.2002 |