Henni Nachtsheim über seine Hymne für die Löwen, die Stimmung, die er damit rüberbringen will und was die Sportbegeisterung eines Neunjährigen damit zu tun hat.

Henni Nachtsheim, erzählen Sie uns doch zunächst einmal, wie Sie überhaupt zum Eishockey gekommen sind.

Henni: Ich bin bereits zu Eintracht-Zeiten zum Eishockey gegangen. Ich erinnere mich an Spiele in einer Halle in meinem jetzigen Wohnort Rödermark, später ist dann der Paramount-Park dort entstanden. Zudem war ich auch auf Spielen in Frankfurt in diesem Mini-Eisstadion neben dem Waldstadion. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir der Sport an sich sehr gut gefällt.

Haben Sie jemals selbst gespielt?

Henni: Nein, ich bin auch leider ein ganz schlechter Schlittschuhläufer, obwohl ich es ein paar Mal probiert habe. Dabei bin ich mehr auf die Fresse gefallen als sonst etwas… Ich ärgere mich fast ein bisschen, dass ich das nie besser hinbekommen habe und nicht wenigstens in einem Hobbyteam mitspiele. Und heute habe ich die Zeit einfach nicht mehr, mich intensiv damit auseinander zu setzen.

Was macht für Sie die Faszination des Sports an sich aus?


Henni: Das Spiel ist schnell und sehr körperbetont. Dadurch, dass das Spielfeld nicht so groß ist, kann immer etwas passieren. Und ein Spiel kann auch in sehr kurzer Zeit kippen – das habe ich selbst schon erlebt, bei den Lions etwa.

Sie gehen ja auch gerne zum Fußball, haben sogar zwei Bücher geschrieben. Was macht Sie mehr an: Eishockey oder Fußball?

Henni: Das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ich möchte mich da gar nicht entscheiden müssen. Ich bin da auch nicht dogmatisch, ich stehe auf beides. Als Sportfan ist es für mich befriedigend, wenn an einem Wochenende sowohl die Löwen als auch die Eintracht gewinnt.

Sie haben unterschiedliche Zeiten mit dem Frankfurter Eishockey erlebt. Welche war die, an die Sie sich am liebst enerinnern?

Henni: Klar, dass mir da die Meisterschaft der Lions 2004 am ehesten in den Sinn kommt. Auch, dass mein Song "Kühler Kopf und Hessisches Herz" das Team dann später begleitet hat war natürlich toll. Ich habe mich da geehrt gefühlt, wenn dieser vor den Spielen lief. Das sind einfach persönliche Erlebnisse, die da entstehen.

Der Klub, für den Sie den Song geschrieben haben, ist nun Geschichte. Sind Sie traurig, dass der Song damit auch ad acta gelegt wurde? Oder lebt der Song weiter?

Henni: Der Song war ja für die Lions geschrieben, es geht darin ja auch um die Lions. Aber: Wir haben diesen Song live vor allem hier in Hessen auch nach dem Aus noch weitergespielt, und immer wieder waren viele Zuschauer auf den Konzerten, die den Song aus Überzeugung oder Trotz mitgesungen haben. Der Song steht ja auch für etwas. Aber klar, dass er an aktuellem Bezug verloren hat. Irgendwann war der Zeitpunkt reif für einen neuen Song, weil man "Kühler Kopf…" nicht mehr im Stadion spielen konnte. In der neuen Situation musste natürlich auch einer her – und ich glaube, dass wir "Kühler Kopf…" nun auch nicht mehr spielen werden. Live kann man das den Zuschauern ja dann erklären: Es gibt eine neue Situation, dazu einen neuen Song, und den spielen wir nun stattdessen.

Wie geht man da als Musiker an so ein Thema ran?

Henni: Zunächst mal ist das schon etwas eigenartig, denn ich hatte nie vor, einen Sportsong zu schreiben. Dann aber hatten damals die Lions angerufen und mich gefragt, kurz darauf kam auch die Eintracht auf mich zu. Ansonsten mache ich ja eher Rock-und Popsongs – somit ist mein Potenzial, was Sportsongs betrifft, schon nahezu ausgeschöpft… Komischerweise ist es aber so, dass der neue Löwen-Song keine Auftragsarbeit ist. Diese ganze Aufbruchsstimmung, diese Trotzreaktion nach dem Aus der Lions und diese Einstellung, den Eishockeysport in Frankfurt nicht sterben zu lassen, hat mich sehr inspiriert und extrem beeindruckt. Da dachte ich: Schau doch mal, was du für einen Beitrag dazu leisten kannst. Und dann schossen mir schon die ersten Textzeilen durch den Kopf, der Refrain und dann haben Ali Neander und ich das einfach mal probiert. Den Verantwortlichen der Löwen habe ich dann nur erzählt, dass da was in der Mache ist. Ein Schlüsselerlebnis für mich war der Bericht einer Mutter, die mir erzählte, dass ihr neun-
jähriger Sohn darauf bestanden hatte, während der Fahrt von Frankfurt nach Amsterdam in den Urlaub immer und immer wieder "Kühler Kopf…" zu hören. Sie wolle mich bitten, mal einen neuen Song zu schreiben, denn im nächsten Sommer hätten sie vor, in die deut-
lich weiter entfernte Türkei zu fahren…

Wie empfinden Sie selbst den neuen Song?

Henni: Der neue Song ist ja langsamer als "Kühler Kopf…" und mir wurde auch schon gesagt, dass er eben nicht so der Gassenhauer sei wie sein Vorgänger. Aber: Wichtig ist doch, dass der Song zur Gefühlslage passt. Und der Song drückt das aus, was ich gerade empfinde, nämlich dass eine Aufbäumstimmung herrscht.

Welche Instrumente werden von Ihnen eingespielt?

Henni: Gar keine! Meine ganzen Songs, auch zu Zeiten der Rodgau Monotones, entstehen dadurch, dass ich auf einen Tisch rhythmisch klopfe und dazu eine Melodie summe. Da summe ich dann durchaus auch ein komplettes Lied mit Gitarrenspuren vor. Das bekommt dann Ali zu hören, mit dem ich ja schon zu Monotones-Zeiten zusammen spielte und komponierte. Er ist derjenige, der das umsetzen kann. Wenn ich unterwegs bin und mir Melodien einfallen, dann summe ich die in mein Telefon, nehme sie auf und spiele sie später Ali vor, und dann entsteht daraus vielleicht etwas.

Sie sind ja auch noch mit Gerd Knebel in das Projekt Badesalz eingebunden. Was steht da so als nächstes auf dem Plan?

Henni: Badesalz ist immer noch die Basis für alles. Wir sind jetzt gerade auf Tour, die genauso gut läuft wie vor 20 Jahren. Gerade im Rhein-Main-Gebiet sind uns die Leute treu geblieben, was eine tolle Motivation ist. Dazu haben wir im HR-Fernsehen eine neue Sendung bekommen, die sich "Comedy-Tower – Zu Gast bei Badesalz" nennt. Das Prinzip: Wir laden drei namhafte Kollegen sowie einen Nachwuchs-Comedian ein und sprechen mit ihnen eine Dreiviertelstunde lang über Comedy. Wir hatten in den ersten drei Sendungen schon Bulli Herbig, Bülent Ceylan und Cordula Stratmann zu Gast. Ab dem 1. Dezember läuft die Sendung immer donnerstags um 21.45 Uhr im HR-Fernsehen.

Wie ist das eigentlich, wenn Sie durch die Stadt laufen, werden Sie da oft angesprochen, nach Autogrammen gefragt oder ähnliches? Auch im Eisstadion sind Sie ja oft.

Henni: Ich habe zwei Sitzplatzdauerkarten gekauft für die Löwen. Und in der Eissporthalle laufe ich gerne umher, da kommt man immer ins Gespräch mit Fans. In der Stadt werde ich auch angesprochen, und das ist auch voll in Ordnung. Das Allerbeste ist aber eigentlich, dass uns die Leute auch nach rund 30 Jahren immer noch mit "Na,ihr Buwe!" begrüßen. Klar, dass ich mich auch über den neuen Song unterhalten werde mit den Fans. Wichtig ist mir nur, dass man es nicht übertreibt, dass die Songs nicht ernster genommen werden, als es nötig ist.

Die Löwen spielen nun in der Oberliga, was halten Sie von der Liga?

Henni: Das Eishockey ist ja definitiv anders als das in der DEL. Da machen wir uns nichts vor – da liegen Klassen dazwischen. Aber das ist im Moment auch nicht entscheidend. Generell finde ich: Ob das jetzt die Regionalliga oder Oberliga ist, die Tatsache, dass sich das Frankfurter Eishockey neu aufgestellt hat und die Fans kommen – wie etwa gegen Kassel, als 7000 da waren – freut mich schon. Auch wenn die Löwen noch drei Jahre in der Oberliga spielen sollten.

Wo würden Sie die Löwen am liebsten spielen sehen: Oberliga, 2. Liga oder DEL?

Henni: Wenn der Plan aufgeht, und mit den vielen Zuschauern und den Einnahmen sind starke Voraussetzungen vorhanden, dann werden wir uns in den Armen liegen, wenn es irgendwann mal wieder gegen Mannheim geht. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Aktuell wird das Eishockey hier von etwas anderem geprägt: Nicht vom Größenwahn, gleich wieder in der obersten Liga spielen zu wollen, sondern von dem Bewusstsein, dass es eine Menge Leute zusammen geschafft haben, das Eishockey hier in Frankfurt nicht sterben zu lassen. Das war ja auch die Motivation für das Lied.


Löwenschau - Patrick Bernecker - 16.10.2011