Welche Musik hören Sie denn privat?

Henni: Ich stehe eigentlich bevorzugt auf englische, etwas härtere Bands. Good Charlotte etwa, das sind zwar Amerikaner, aber die sind eine meiner absoluten Lieblingsbands.

Und trotzdem kriegen langhaarige Rocker und Schlagersänger in Ihrem Film "Das Baby mit dem Goldzahn" ziemlich ihr Fett weg ...

Henni: Naja, es ist ja eher eine Hommage an den Schlager, denn er muss ja im Film gerettet werden. Im Grunde ist es ein einziges Plädoyer für den Schlager, weil Schlager nicht ernst genommen wird und auch intellektuell unterschätzt wird (lacht). Aber alles andere wäre zu einfach gewesen. Wenn wir einen Film gedreht hätten, in dem - sagen wir mal - die langhaarigen Death-Metaller die Guten sind, wäre das auch albern gewesen. Und fast schon politisch korrekt - für unsere Klientel. Außerdem gibt es auch keine einzige Musikrichtung, die man nicht auch einmal hochnehmen kann. Keine. Jede Musikrichtung hat eine unfreiwillig komische Seite.

Ist Ihr Humor inzwischen so weit vom Mainstream entfernt, dass keiner mehr dafür die Verantwortung und die Kosten übernehmen will? Oder wie kam es dazu, dass Sie die Umsetzung des Films in Eigenregie übernahmen?

Henni: Naja, die Entscheidung dafür kam eines Morgens nach einem wirklich phänomenalen Auftritt mit dem Bühnenprogramm. Wir saßen im Café, und Gerd meinte: "Das war doch so geil gestern, wir hatten so viel Spaß, komm', wir drehen das jetzt." Und ich: "Ja, aber wir drehen das nicht mit irgendjemand von diesen Besserwissern, die unser Buch kaputt machen." Und dann ging ich mit meinem Handy auf die Straße, rief Daniel Acht an: "Daniel, wir wollen 'Das Baby mit dem Goldzahn' als Trashfilm drehen, du bist unser Regisseur". Es dauerte keine Minute, dann war er dabei.

Und wie ging es dann weiter?

Henni: Wir fanden dann mit Memento Film einen Partner, der uns bei der Produktionsorganisation half. Und wir sagten allen, dass sie auf Rückstellung arbeiten müssen. Und auch, dass das Ganze ein Funprojekt bleiben muss, klein bleiben muss, und wir Fehler zulassen müssen. Und dann drehten wir diesen Film eben in drei Wochen im Freilichtmuseum Bad Sobernheim. Das war recht anstrengend, weil wir teilweise mehr bewältigen mussten, als bei einem normalen Film. Aber andererseits auch so ein bisschen wie Klassenfahrt.

Wenn Sie von den "Besserwissern" reden, klingt das nach schlechten Erfahrungen. Waren Sie nach "Abbuzze" abgeschreckt von der Filmindustrie?

Henni: Nein, abgeschreckt nicht. Wir hatten bislang, im Gegensatz zu anderen Comedy-Acts, zwar nur diesen einen Film. Aber wir sind mit "Abbuzze" in unserer eigenen Vita zufrieden. Denn der Film hat - wenn man den Leuten glauben darf - schon Kultcharakter. Ich sage das über unsere eigenen Sachen ja sonst nicht, aber das hat sich wohl wirklich so entwickelt. Es gibt angeblich heute noch Cliquen, die sich im Osten, in Erfurt, einmal im Monat treffen und den Film mit 20 Leuten anschauen und alles mitsprechen. Und es gibt, glaube ich, nicht so viele Filme in Deutschland, die das gepackt haben. Die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma und dem Produzenten war damals schwierig, aber wir haben das am Ende hinbekommen.

Gab es Pläne für einen zweiten Film?

Henni: Ja, die gab es. Jahre später schrieben wir ein Drehbuch für einen hessischen Mittelalterfilm. Wir hatten das auch schon alles recherchiert, wie es damals in Hessen tatsächlich ausgesehen hat. Und erfanden eine saulustige Geschichte von zwei Brüdern, die war echt abgefahren. Dann mussten wir uns bei der Constantin anhören, dass sie gerade "Siegfried" mit Tom Gerhardt drehen und dass die ganze historische Sache damit grad schon besetzt wäre. Aber wenn man sich den Film mal anschaut und dann unser Drehbuch damit vergleicht, ist das eine ziemliche Unverschämtheit.

Also gab es doch eine Verärgerung über die Filmindustrie...

Henni: Ja, denn "Siegfried" ist einfach ein schlechter Film und war ja auch kein großer Erfolg. Also nichts auf das sich irgendjemand etwas einbilden muss. Wir sind dann mit dem Buch noch zu zwei, drei anderen Firmen gegangen, aber auch die haben nicht kapiert, was man daraus machen kann. Deswegen sagten wir irgendwann: Das hat keinen Zweck, wir möchten auch nicht die ewigen Bittsteller sein. "Das Baby mit dem Goldzahn" zeigte uns dann, wie befreiend es sein kann, wenn man solch ein Projekt ohne jemand anderen macht. Auch wenn es für uns eine sehr sehr teure Angelegenheit war.

Für die Finanzierung überlegten Sie sich dann ja auch etwas Besonderes...

Henni: Ja, wir haben fieberhaft überlegt, wie wir noch Kohle zusammenbekommen können. Irgendwann sagte ich zu Gerd: Was hältst du davon, wenn wir einen Sponsorenkreis bilden? Wir bieten kleinen Firmen, die so etwas sonst nie machen können, an, dass sie 3.000 Euro zum Film dazugeben und im Gegenzug drehen wir einen Spot, der anstelle der sonst üblichen Outtakes im Abspann zu sehen ist. Gerd fand die Idee gut, also machten wir's. Die Firmen haben eine Sponsorenquittung bekommen und wir haben eben diese Spots gedreht. Außerdem versteigerten wir zwei kleine Gastrollen bei eBay.

Haben Sie den fertigen Film eigentlich dem Fernsehen angeboten?

Henni: Wir haben es RTL und - glaube ich - ProSieben angeboten. Bei RTL lachten sie beim Angucken angeblich Tränen, befürchteten aber, dass der Film für ihre Kundschaft eine kleine Spur zu schräg und trashig ist. Aber unser Hauptziel war ja nicht der Verkauf, sondern einfach nur, diesen Film zu machen. Wir wollten einfach das Gefühl haben, dass wir alleine, mit dem Netzwerk, das uns umgibt und aus eigener Kraft einen Film erstellen. Das ist uns gelungen. Es ist jetzt natürlich kein Bully-Film: Ich sag immer, der Film kostet weniger als das Catering bei "Wickie", aber das ist auch egal.

Den ganz großen Drang ins Fernsehen haben Sie ja nicht. Bei den üblichen Comedy-Formaten sieht man Sie kaum...

Henni: Wir waren einmal beide bei "Genial daneben", weil wir das ausprobieren wollten. Und ich bin seit sechs Jahren regelmäßig Gast bei "Straßenstars" im HR, weil ich das Format mag. Aber weniger ist da definitiv mehr. Wir kriegen viele Anfragen, auch die ganz schlimmen. Wie RTL2-Promi-Ochsenrennen. Da schrieb ich nur zurück: Bitte belästigen sie uns nie wieder! Mit solchen Sendungen kann man sich seinen Ruf schneller ruinieren, als man gucken kann. Es ist ein Irrtum zu glauben, die Fresse in die Kamera zu halten, reicht, und schon wird alles gut. Das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem galten Sie lange Zeit als Vorzeigehessen. Heinz Schenk, Badesalz... Viel mehr Hessen fallen einem doch diesbezüglich nicht ein...

Henni: Doch. Roland Koch (lacht). Aber eigentlich will man ja nicht in einer Reihe mit Roland Koch genannt werden.

Mag sein.

Henni: Ich glaube, wir haben das alles gut verkraftet. Die Popularität hat sich bei uns langsam gesteigert, von unserem ersten Bühnenprogramm in den 80-ern über die immer größer werdenden Hallen in den 90-ern, und dann waren unsere Platten auf einmal weit verbreitet, überall riefen einem Leute Zitate hinterher. Aber was ich mit gutem Gewissen sagen kann: Es ist uns nie zu Kopf gestiegen. Gerade Gerd ist ein gutes Korrektiv, er lässt sich von Erfolgen nie beeindrucken. Er denkt immer gleich an das nächste Projekt.

Momentan arbeiten Sie an einem neuen Bühnen-
programm. Im "Baby mit dem Goldzahn" gibt es einen kleinen Seitenhieb auf Westerwelle. Reizt es Sie nicht, auch jetzt mit Schwarz-Gelb an der Macht, mehr Richtung politisches Kabarett zu gehen?


Henni: Nein. Matthias Beltz hat mal gesagt, dass wir die schwimmende Grenze zwischen Kabarett und Comedy seien. Und darauf könnten wir sehr stolz sein. Mehr Kabarett würde auch bedeuten, noch stärker an die Politik ranzurücken. Das langweilt Gerd und mich zu Tode. Ich hab heute Morgen die "Frankfurter Rundschau" gelesen, alles über die Koalitionsverhandlungen, da schläft mir das Gesicht ein. Das ist wie Mathematik. Ich bin schlecht in Mathe, wenn man mir ein paar Formeln vorliest, schlafe ich ein. Mit Politik ist das genauso.


magnus.de - 12.10.2009