Humor in der deutschen Werbung. Was fällt Badesalz, was fällt dir stichwortartig dazu ein?

Henni: Generell hat deutsche Werbung lange gebraucht, den Humor für sich zu entdecken, mittlerweile gibt es aber schon eine ganze Reihe witziger Spots.

Ihr seid ja inzwischen auch aktiv. Unter www.diesieger.de macht ihr für Sparkassen-
Finanzgruppe Hessen-Thüringen Online-Werbung. Badesalz und Bankenwerbung? Wer ist denn darauf gekommen?

Henni: Es ist ja bereits die 2.Kampagne für die Bank. Dazu gekommen ist es, indem uns die ausführende Agentur "oktonet" angefragt hat, ob wir generell für so etwas zu haben wären. Wir haben uns dann mit allen Beteiligten getroffen, auch, um zu sehen, mit was für Menschen es da zu tun haben würden. Als uns alles passend erschien, haben wir die 1.Kampagne entwickelt, in der 2 Automarder im Motorraum eines Autos sitzen, Kabel etc. fressen um sich dabei über finanzielle Belange des Autobesitzers etc. zu unterhalten. Diese Spots haben ziemlich gut funktioniert, also haben alle gemeinsam beschlossen, weiter zu machen.

Was war eure Motivation für diese Werbung? Geld, Konzept oder Selbstverwirklichung?

Henni: Wenn ich jetzt sagen würde, das Geld keine Rolle spielt, wäre das nicht aufrichtig. Aber trotzdem steht vor allem die Frage, ob das überhaupt zu uns passt, was wir da machen! Die Idee mit den Mardern kam z.B. von Gerd, nachdem uns die ersten Vorschläge von anderen nicht gefallen hatten. Sprechende Marder oder hessische Neandertaler in Designeranzügen passen eben zu uns!

Wie war die Reaktion der Fans auf euer Werbe-
engagement?

Henni: Ich würde sagen: entspannt. Wenn Du früher Werbung gemacht hast (was wir nicht haben), dann war das immer schnell am Rand, von wegen "totaler Kommerz" usw. Heute wird das nicht mehr so hinterfragt.

Wofür würdet ihr nie Werbung machen, auch wenn die Kasse stimmt?

Henni: Für Alkohol z.B. Wir haben diesbezüglich schon zwei Angebote abgesagt. Es reicht ja schon, dass jede Fußballübertragung von Bierfirmen präsentiert werden, während man für Zigaretten-
werbung mittlerweile standrechtlich erschossen wird. Für politische Parteien würden wir im Übrigen auch nicht werben!

Allgemein ist ja zu beobachten, dass nicht mehr nur die Engländer allein in Europa Humor in der Werbung einsetzen. Ist deutscher Werbehumor auf einem guten Weg? Wie beurteilt ihr die Qualität?

Henni: Es wird besser und auch lustiger! Interessant ist aber, dass bislang fast alle Spots mit extra dafür verpflichteten Komikern relativ mau sind!

Wo ist die Grenze von Humor zur Lächerlichkeit in der Werbung? Traut ihr euch, Beispiele zu nennen?

Henni: Es gab vor einiger Zeit diese Tankstellen-
spots mit diesem Ingo, und die hat man gleich zur Comedyreihe erhoben! Das war bescheuert und abstrus, denn die Dinger waren eigentlich schreck-
lich!

Jetzt zu euch: Ihr seid ja inzwischen bei Comedy Central untergekommen. Zufrieden? Was sind eure TV-Pläne für die nächsten 12 Monate? Was steht sonst an?

Henni: Das muss man anders umschreiben. Wir haben bei Comedy Central einen Zwischenhalt eingelegt, dort eine 6teilige Serie hinterlassen, die sie 3 Jahre senden dürfen, und das war`s. Konkrete Fernsehpläne haben wir keine, zumal es auch nicht ansatzweise ein Format bzw. einen Sender gibt, der uns irgendwie anspricht. Fernsehen hat derzeit seinen inhaltlichen Tiefpunkt erreicht, und seine Macher sind zu 90% angstschweißgesteuerte Halbherzen, die weder Ahnung noch Mut haben. Was immer sich der liebe Gott auch gedacht hat, als er den Fernsehredakteur erschaffen hat...es war einer seiner deutlich schwächeren Momente! Unsere Zukunft liegt deutlich eher darin, Dinge selbst zu gestalten bzw. zu produzieren, damit sie auch so werden wie wir das gut finden!

Welches ist die unfreiwillig humorvollste Sendung im deutschen TV und warum?

Henni: Wir mögen beide sehr gerne 3. Programm-
dokus, z.B. über die Entstehung des Harzer Käse oder Sendungen, in denen Tiere, die vermittelt werden sollen, das Studio aufmischen. Die sind auf sehr zuverlässige Art und Weise immer lustig!

Welches ist euer aktueller Lieblingswitz?

Henni: Keiner!


medienhandbuch.de - Oliver Hein-Behrens - 25.06.2008