| Anmerkung: Die ersten beiden Fragen waren unterlegt vom doch sehr lauten Oi-Sound irgendeiner deutschen Band und die konnte ich beim besten Willen nicht mehr raushören. Es ging aber um andere Komödianten die Badesalz gutfänden, wobei die Namen Lübke und Monty Python noch herauszuhören waren. Außerdem wurde über den Unterschied zwischen deutschem und englischem Humor diskutiert, ich kann euch aber echt nicht sagen was da gelabert wurde. Also fangen wir einfach ein bisschen später an. Fühlt ihr euch nicht verarscht, dass so ein unlus- tiger Trottel wie der Mittermeier mit dummen Gehampel und beschissenem Klamauk voll die Millionen absahnt? Gerd: Na ja, es ist halt so, dass die verschiedenen Sachen auch ein unterschiedliches Publikum erreichen. Der Michael ist ja immerhin der erfolg- reichste Comedian Europas. Guck mal an, was der für Hallen füllt. Irgendwer muss das ja ein bisschen gut finden, oder? Das ist ein sehr diffiziles Thema, ihr seht ja zum Beispiel auch aus als ob ihr Punk hört. Das ist doch ganz ähnlich, da gibt es genug Leute, die sagen: "So ne scheiß Musik, drei Akkorde, das wars." Wir haben ziemlich viele Musikerfreunde, haben ja auch jahrelang Musik gemacht, auf Festivals gespielt und da waren Jazz-Rock-Bands, so richtig mit dadadusch, dadadisch ufzg am Schlagzeug, weißte. Und unser Schlagzeuger war auch so punkmäßig drauf, so vom Look her, dann haben wir angefangen und was haben die überheblich geguckt. Dann hab ich mir gesagt: "Jungs, wartet mal ab, ihr werdet schon noch sehn." Und die Leute sind voll ausgerastet, es ging voll ab, Mega Party und so. Und dann kam die arrogante Jazz-Rock-Band: und die Leute sind reihenweise abgehauen, weil die einfach gelangweilt haben. Die konnten zwar voll gut spielen, aber von der Performance her kam gar nix. Und das ist der Punkt: Es gibt Leute, da sagt man die sind voll platt, aber irgendwas haben die, so ne Art Energie. Man merkt sofort da ist entweder diese Energie oder der leiert das einfach nur runter. Das ist doch Scheisse, so ein plattes Runterleiern von Witzen wie auf der Kirmes: “Kommensereinhiergibtskarussell blablabla”. Aber wenn jemand Energie reinlegt dann kann das Ganze ruhig mal ein bisschen daneben sein. Es wird ja auch nichts nur dadurch gut weil es intelligent ist. Mir gehen auch viele Sachen aus dem Kabarett-Bereich auf den Sender, die nur noch 14 Leute in Deutschland verstehen. Da wo so viele Sachen zusammenkommen, wo du fünf Semester Politik studiert haben müsstest um das zu kommentieren. Also kurz gesagt, das ist alles sehr diffizil. Und Humor ist ja auch ne Geschmackssache. Es gibt ja Leute, die halten sogar uns (!) für blöde. Was ist eigentlich euer Lieblingsmedium, seid ihr lieber auf der Bühne beziehungsweise auf Tonträger oder auf Zelluloid präsent? Gerd: Also, das ist meistens so, dass wenn man etwas längere Zeit an einem Stück bastelt, das andere mehr Spaß macht. Also so nach dem Motto jetzt touren wir und dann wieder ein kleines Kaff, wieder ein Hotel, dann sagst du dir es wär gar nicht schlecht mal wieder am Stück zu drehen oder so. Aber es macht eigentlich alles gleich Spaß, wenn es denn zu unseren Bedingungen ist. Bei der Comedy-Show auf Sat 1 haben wir erstmal 12 Nummern gemacht und denen gesagt, wenn wir es in der Richtung, also dass es auch ein bisschen hart sein darf, machen dürfen, denn mache mer das. Auf keinen Fall wollen wir zwangsläufig ins Fernsehen. Die haben das dann abgenickt, und dann war das okay. Also war das nicht gefiltert? Gerd: Nee, die wollten das zuerst rausschneiden, da haben wir gesagt, das bleibt alles drin oder ihr kriegt gar nichts. Die wollten aus sechs Teilen fünf machen, alle harten Nummern rausschneiden, und unter den Rest 'ne Lachspur machen, da haben wir gesagt nee, machen wir nicht mit. Wie weit darf Humor für euch gehen, gibt es da Grenzen, oder werdet ihr auch irgendwann zu Moralisten? Henni: Bei den Dreharbeiten zu Och Joh! damals, da gab es so 'ne Szene (Hier ist wieder fast gar nichts zu verstehen, aber es ging irgendwie um ein Paar, das sich während eines Flugzeugabsturzes streitet, und die Absturzszene wurde irrtümlich von einem echten Unglück übernommen). Das war so 'ne Sache, da ham wir ganz klar nein gesagt, das ist unfair, mit dem Leid von anderen Geld verdienen quasi. Gerd: Sobald da echtes Leid dahinter steht wird es halt kritisch. Da gibt es ja gerade diese eine Show mit dem Sohn von der Uschi Glas, da wo die auf Teufel komm raus krass drauf sein wollen. Wobei das ja nur ein Abklatsch von “Jackass” ist. Gerd: Ja, klar, aber es geht ja einfach um dieses auf Teufel komm raus Tabus brechen, das ist doch keine Kunst. Auch bei RTL Samstag Nacht hat mich früher immer gestört, wenn der Boning zum Beispiel irgendeinem alten Obba so ein Mikrophon ins Gesicht hält. Kam man sich tierisch drüber totlachen. Als Achtjähriger, wenn überhaupt. DAS ist keine Kunst, aber mach des Gleiche mal mit nem Zuhälter am Bahnhof draußen, wenn du das machst, dann biste gut! Wenn du echt sagst: "Komm, geh mer mal zum Neger-Kalle und machen das, ohne Rücksicht ob mer was uff die Fresse kriegen." Dann biste wirklich krass drauf! Aber diese Typen suchen sich immer nur schwache Opfer und das find ich scheiße. Oder alte Leute und Verwirrte, die den Zusammenhang nicht verstehen und dann lachen sich alle kaputt. Wenn dem Stefan Raab nix einfällt macht der das auch immer. Habt ihr eigentlich sowas wie Lieblingsrandgruppen? Henni: Na ja, es geht ja weniger um Gruppen, als vielmehr um Typisierungen. Nehmen wir zum Beispiel die Rocker, also wir haben ja jahrelang in Bands gespielt, da gibt es halt so Gestalten, die stehen vor der Bühne, labern was, und schon hast du Head- banger und Ritchie oder so. (Nun ist wieder ne halbe Minute Oi! Oi! Oi! angesagt) Gerd: … außerdem geht es ja nicht um Rand- gruppen allein, man sollte grundsätzlich alles verarschen dürfen, u. A. auch Ausländer. Das ist komischerweise fast überall auf der Welt möglich, nur nicht in Deutschland. Zum Beispiel hat der Henni damals den Peter Maffay ein bisschen so auf die Schippe genommen… Henni: (Im astreinen Maffay-Slang): Ich bin eine Muräne… Gerd: Da hat der Maffay gleich rumgeflennt von wegen in Zeiten von brennenden Asylantenheimen darf man sowas nicht und so. Ich glaub die Sache mit der Muräne musste sogar vom Markt. Auf jeden Fall meine ich dass du Arschlöcher jeglicher Couleur verarschen dürfen musst. Wenn ein Türke oder Marokkaner scheiße ist, will ich mich darüber lustig machen dürfen, auch als Deutscher. Ich meine, Deutsche verarschen wir ja auch genug. Henni: Ich finde das ist auch ein Zeichen von Integration. Die Leute müssen alle zusammen in dem Land leben, dann müssen sie auch mit sowas umgehen können. Gerd: Wir hatten damit schon mal Schwierigkeiten. Ich hab da mal so einen Sketch geschrieben, nachdem mir eine Taxifahrerin eine Story erzählt hat. Und zwar hat mir die gute Frau erzählt, seit sie mit dem Taxi fährt, hat sie voll den Hass auf Schwarze. Die hat erzählt die steigen ein und spätestens nach zwei Minuten hieße es immer “Willste ficken?” Und das war ja nicht irgendeine Frau, des war ne Linke, also total links von der politischen Einstellung. Die hat gesagt sie hätte das nicht geglaubt wenn sie das nicht selber ständig erleben würde, die ist ganz extrem wütend geworden darüber. Und da haben wir dann halt die Nummer gemacht wo so ein Typ 'ne Frau anbaggert, sie sagt lass mich mal gehen, da sagt er “Haste was gegen Ausländer?”. Da haben sich die Leute tierisch drüber aufgeregt. Ihr als Punker kennt sicher auch so Geschichten oder? Wobei die ganz extrem linken Frauen sich ja schon vergewaltigt vorkommen, wenn man ihnen nur auf den Arsch guckt. Gerd: (lacht) Das hast du jetzt aber gesagt! Henni: Das ist ja auch der alte Irrglaube der Linken, dass der Ausländer immer der gute Mensch ist, wie so ein Freibrief. Guck dir doch mal gerade bei Südländern die extreme Schwulenfeindlichkeit an! Da haste gleich eine in die Fresse bekommen wenn du schöne Augen hast! Genug gelästert Goebbels! Was anderes, habt ihr jemals was über Bademeister gemacht? Gerd: Klar, wir haben ein Lied darüber gemacht (Wilde Diskussion über Bademeister bricht aus, aber leider total unverständlich) Seht ihr euch als sozialkritische Künstler? Manche Sachen von euch scheinen ja einen derartigen Unterton zu haben.. Gerd: Das wird allein von den Konsumenten rein- gelesen, das liegt aber auch an den zugrunde- liegenden Themen. Je nach dem, was für ein Thema du im Sketch behandelst, lesen da Leute gerne Sozialkritik rein, vielleicht auch weil's ihnen dann leichter fällt zu lachen. Das ist denen ihre Sache. Henni: Das treibt einen vielleicht unbewusst an, sich mit irgendeiner Thematik zu beschäftigen. Wir gehen da niemals ran und sagen: "Wir machen jetzt einen sozialkritischen Sketch." Gerd: Da gibt es einfach so viel Schwachsinn, wenn du zum Beispiel liest: “Essen gegen rechts” glaubst du das nicht! Das ist doch pervers. Und das hat wirklich stattgefunden und die Leute glauben immer wir denken uns so 'ne Scheiße aus. Ihr macht ja so gut wie nichts über konkrete Personen, wie z. B. Politiker, zumindest ist mir nichts darüber bekannt. Macht ihr sowas grundsätzlich nicht? Gerd: Der Roland Koch taucht ja auch mal kurz in unserem Programm auf, aber sonst ist das nicht so unser Ding, ab und zu fällt halt mal ein Name. Interessanter als die Politiker find ich die Wähler, z.B. der alte Mann, der Tag und Nacht aus dem Fenster guckt und auf alle Politiker schimpft, so “Fischer, die blöd Sau, kannst doch all inner Pfeife rauche..” und dann doch wählen geht weil (Hier käme die Pointe, doch ich hör wieder nur Oi!). Das interessiert uns einfach mehr. Wie schafft man es eigentlich auf Kommando lustig zu sein? Gerd: Wir müssen ja nicht lustig sein. Wir machen ja selber ganz normale Sachen, erst die Leute finden das lustig. Lustig biste dann, wenn du irgendwo sitzt, einen trinkst und lachst. Dann bist du in dem Moment lustig. Aber wenn du einen wütenden Hausmeister spielst der rumbrüllt, was ist daran lustig? Für den Zuschauer vielleicht, aber nicht für dich! Ich meinte eher, wenn dich zum Beispiel einer in der Straßenbahn trifft und anfängt: "Ey du bist doch der Typ von Badesalz, sag mal was Witziges…" Henni: Da macht man natürlich total den Kasper, ich hab immer einen Vorhang dabei, den roll ich dann auf. Oder ich kauf die Straßenbahn, dann lässt der mich in Ruhe. Aber im Ernst, das kommt ganz auf die Situation an, manchmal nervt das total. Als Beispiel: Ich lauf durch den Supermarkt und so ein Typ rennt mir drei Stunden hinterher, klebt mir richtig am Einkaufswagen. Irgendwann platzt mir der Kragen und ich frag ihn: "Was willst du?", er sagt: "Ey, du bist doch derundder, mach mal was Lustiges" Ich frag ihn: "Was bist denn von Beruf", er sagt Stewardess, ich sag "Wenn du jetzt dreimal durch die Halle fliegst mach ich was Lustiges" und der Typ war tödlich beleidigt. Der hält mich jetzt für ein Arschloch und das ist für mich okay. Ich wollte dem einfach nur zeigen, dass ich in irgendeiner Alltagssituation im überfüllten Supermarkt auch nicht immer den Hampel mache. Gerd: Ich glaube, wenn du dein ganzes Leben lang immer lustig drauf sein willst, dann fehlt’s dir doch irgendwo. Henni: Den ganzen Tag lustig sein! Kinderschänder geht um, hahaha, klasse! Wer’s braucht… Hattet ihr eigentlich irgendwann mal Ärger mit der Zensurbehörde, oder ist irgendetwas von euch auf dem Index? Henni: Nein, eigentlich nicht, da gibt es nur eine, absolut absurde Sache. Wir hatten dieses Lied Jesu S., dabei geht es ja um diese ganzen Hip-Hop Namen wie Moses P. oder Andy Y. und so, da hat sich der WDR und der Bayrische Rundfunk von vorneherein geweigert das zu spielen, weil die gedacht haben das gibt Ärger mit der Kirche. Nur wegen Jesus! Es ging nur darum, dass man den Jesus perfekt in dieses Schwester S. Bruder D, Cousin F. Sprache anreden kann. Ganz harmlos das Ganze. Da steckt voll der konservative kirchliche Machtblock hinter dieser Rundfunkscheiße, das glaubt man gar nicht. Werdet ihr eigentlich mal öfters gefragt, ob ihr Werbung für bestimmte politische Parteien machen würdet? Gerd: Sicher, mit Parteien das kommt vor, machen wir aber grundsätzlich nicht. Werbung, also normale Werbung würden wir aber schon machen. Aber es sollte was Witziges sein, so Babycreme oder Windeln, WC-Ente oder so was. Aber gerade in Hessen im Radio haben wir viele Nachahmer, da fragen sie uns "Macht ihr das und das?", wir sagen nein, und zwei Wochen später haben sie einen Sketch mit zwei Hessen ähnlicher Stimmlage am Start. Wir möchten aber auch nicht unsere Stimmen ständig runtergenudelt haben. Was habt ihr denn gegen Bierwerbung, ihr habt da ja so einen Sketch… Gerd: Ja, das ist halt gegen diese ganze verlogene Kacke, so Bitburger bei der Sportübertragung und dann keine Macht den Drogen. Schreibt ihr eure Sketche ab und zu unter Einfluss irgendwelcher Drogen? Gerd: Nee, unser Zeug schreiben wir eigentlich immer mit klaren Köppen. Henni: Es gibt ja auch Leute, die sagen wenn sie nicht gekifft haben kriegen sie keinen klaren Gedanken hin, das ist ne sehr individuelle Sache. Wir haben da ja auch nichts gegen. Wenn das einer machen will, dann soll ers tun. Wie beim Schriftsteller, der dann seinen Whisky trinkt, so dieses Hemingway-Syndrom. Saufen ist immer erst hinterher angesagt bei uns, höhö. Ich mein das ja auch mehr so, dass, wenn man besoffen ist erlebt man halt viele lustige Sachen, die man dann verwerten kann, oder? Gerd: Ja, aber die vergisst man dann doch so schnell wieder. Gibt es bei euch auch ab und so ne Flaute, wo euch gar nichts mehr einfällt? Henni: Wir haben ja jetzt nicht so einen Druck wo wir jeden Tag drei neue Nummern schreiben müssen. Irgendwann weißte einfach, wie du an so 'ne Sache herangehen musst. Guck mal, heute sind wir in Tuttlingen, da treffen sich zwei beim Bäcker, dann überlegst du dir halt wie es weitergeht. Entweder du kannst das prinzipiell nicht, dann hast du halt auch den falschen Beruf, oder das klappt einfach irgendwie. Mich würde noch interessieren, ob es irgendeine Figur in euren Sketchen gibt in denen besonders viel von euch drinsteckt, zum Beispiel gerade du (Henni), wenn du in Abbuzze dastehst, inmitten der Handwerker die am rumprollen sind und du fängst an “Isch hat ja damals auch so Stress bei meinem Abitur!”, dann nimmt man dir das sofort ab! Henni: Stimmt ja auch… Nee, vielleicht passiert es ma,l dass einer erzählt "Hey mir ist einmal das und das passiert", aber sein Leben überträgt man nicht dahinein. Es gibt höchstens so Standards, also wenn einer von uns beiden bei der Begegnung von zwei Figuren auf die Fresse kriegt, dann bin das immer ich, wie im echten Leben halt. Gerd: So wird es auch bleiben! Henni: Und wenn es darum geht so Frauenrollen zu übernehmen, dann mach das auch meistens ich, vielleicht weil meine Mutter sich gewünscht hat, dass ich ein Mädchen werde. So Wunschgene sozusagen. Wie hättest du denn gehießen, wenn du ein Mädchen geworden wärst? Henni: Ich hätte Hendrike heißen sollen. Bei mir hätte es Angela Stefanie werden sollen. Henni: Und wie heißt du jetzt? Jörg. Henni: Jörg Stefanie (hier entsteht ein kurzer Disput über meinen Namen als potentielles Girl) was mich interessieren würde, hast du den Schlüssel für das Ding noch? (er meint das Vorhängeschloss, das der Schwuhl, der alte Poser um den Hals trägt) Ja, ich bin Bademeister und flieg raus wenn ich das Teil im öffentlichen Dienst trage, seuftz… Gerd: Ach, DU bist Bademeister? (singt) Der Bademeister ist ein Schwein, er verführt die Kinderlein… Immer die gleichen Klischees, ich hab gerade für's Heft 'ne "Drei Fragezeichen"-Story mit nem frivolen Bademeister geschrieben. Gerd: Ja, unser Lied ist so ein Ablauf, so 'ne in sich absurde Blödelnummer. Der Bademeister fragt halt so nen Jungen “Jo hast du denn kei Badekapp dabei” “Nein hab isch nicht” “Dann gib mir als Pfand die Badehose, dann kriegste meine” Und dann schreien alle "Der Bademeister ist ein Schwein, er verführt die Kinderlein", so ein Schwachsinn halt, so 'ne Disco-Nummer. Ohne Klischees könnt ihr aber auch einpacken, oder? Gerd: Das Schlimme ist, die bestätigen sich ja immer wieder. Aber eigentlich arbeiten wir ganz wenig mit Klischees! Henni: Es ist ja so, wenn ein Klischee so offensichtlich ist, langweilt das sehr schnell. Diese Klischees, das ist der Dicke, der ist der Doofe, das ist der Trottel, und so, wenn du die zu dick bedienst wirst du keinen großen Lacher bekommen auf der Bühne. Aber so Bodybuilder, die den Cliffhanger machen… Henni: Aber das ist ja schon 'ne ganze Zeit her, da kam das gerade so auf, so mit ausdefiniert. Diese Blödheit, das hat super gepasst, das war ein spitzen Pärchen, erst auf der Bühne und dann im Film. Das hat super Spaß gemacht, aber ob wir das heute nochmal machen würde ist die Frage. Gerd: Also diese zwei Bodybuildertypen sind ja auch ziemlich hessische Typen, also Hamburger und Bayern wären da ganz anders, ich glaube dieser hessische Aspekt verleiht den ganzen Figuren noch viel von der Wirkung, die sie erzielen. Wie erklärt ihr euch eigentlich, dass ihr gerade mit eurem Hessisch so gut bei den Leuten ankommt, so ein Schwabe, da macht man zwei Witze drüber, aber ihr reitet ja ständig drauf rum. Gerd: Weil das 'ne Schnauze hat, einfach ein frecher Dialekt. Schwaben sind ja viel sanfter in ihrer Ausdrucksweise. Aber der Hesse ist ganz anders, der sagt unheimlisch brutale Sachen, die gar nicht so gemeint sind. Da gibt es ganz viele Beispiele, so Wirte die anfangen “Ey, weißte die Nescher, die tun imme die weiße Fraue ausspanne” dann kommt ein Schwarzer rein “Ey trinkst nochma ein, do!” Das ist so zwiespältig, so ambivalent in sich. Das ist gar nicht rassistisch, das sind einfach so blöde Sprüche, die sind so schnell draußen. Dann heißt es immer “Komm her, Bimbosche, mir trinke ein, den rührt keinä an hiä!” Das gibt’s nur in Hessen auf die Art. Henni: Wir fühlen uns hier bei euch deswegen auch sehr wohl, weil die Schwaben extrem lässig mit Sachen wie Musik umgehen, dieses coole auf Großstadt-Gemache, das lassen die nicht so raushängen hier. Das ist ja auch so ein Klischee. Also in unseren Anfangstagen haben wir ja auch viel in so kleinen Clubs Comedy gemacht, als der Punk aufkam. Wir waren für die nicht zu definieren, da gab's oft Stress. Einer von uns immer so ein bisschen im Punk-Look, die anderen mit Glatzen, da wussten die gar nicht wohin die uns stecken sollten. Und da waren viele, die mussten immer böse sein, so mit auf Bühne spucken, Finger zeigen. Einen habe ich mal erwischt, der wollt mir in den Koffer pissen. Und der Olaf hat zu so einem den Spruch des Jahrhunderts gesagt, der hat angefangen “Ey, Punkersche, wenn du noch einmal was hochschmeißt, dann komm isch rundä und näh dir die Hos!” Da haben die dann gemerkt, die sind doch eigentlich echt cool. So nem Punk damit drohen ihm die Hose zu nähen, super! Was gibt es noch in Zukunft von euch zu erwarten? Gerd: Zwei Filmprojekte. Einen Animationsfilm, da sind wir gerade dran mit Filmstudenten in Ludwigsburg, da haben sich schon ein paar angemeldet. Henni: So Hessi James als Animationsfilm. Das Ding ist geplant als 90minütiger Film mit unter- schiedlichen Stilistiken, wo unterschiedliche Animationskünstler sich unseres Materials annehmen. Und als anderes ein normaler Kinofilm, diesmal keine Episoden wie in Abbuzze, sondern mit durchgehender Handlung, soll so 2004 ins Kino kommen. Zum Schluss noch eine Frage für unsere jungen Leser. Was habt ihr für eine Ausbildung? Henni: Ja so ein Not Abi. Das konnteste damals für 5 Mark bei uns kaufen. Das rahmst dir ein, wenn du was anderes für den Rahmen hast, tauschst du es halt aus, das finde ich sehr schön. Wolltet ihr immer Komödianten werden? Gerd: Fensterputzer war ich ein paar Jahre lang, hat eigentlich auch recht viel mit Comedy zu tun. (Der Wecker klingelt, Badesalz bereiten sich auf den Auftritt vor und wir sind raus.) pankerknacker.com - Jörg Harley - 25.11.2009 |