Der Regisseur von "Och Joh", "Abbuzze" und den "Comedy-Stories" sowie Freund von Badesalz gibt hier ein Interview.

Roland, du bist gebürtiger Belgier, lebst und arbeitest seit 1979 in Deutschland. Dein Weg führte dich aber erst über einige Umwege zur Regie.

Roland: Vielleicht ist mein Weg hin zur Regie ungewöhnlich, als Umweg würde ich ihn nicht bezeichnen. Meine Abschlussarbeit an der belgischen Filmhochschule (RITCS) habe ich bereits in der Abteilung Drama geschrieben. Es stimmt schon, dass ich erst einmal jahrelang als Kameramann beim WDR gearbeitet habe und auch später stand ich, als Produktionsingenieur bei der Bavaria, der technischen Abteilung sehr nahe. Doch ich habe immer auch kreativ gearbeitet und bereits als Kameramann oft Coregie geführt. Mit meinem Freund und Kollegen Kai von Kotze habe ich in einigen Projekten gemeinsam Regie geführt.

Aber seit 1987 arbeitest du frei. Warum?

Roland: Wenn man jahrelang fest beim Sender arbeitet, schleicht sich automatisch eine Lange-
weile ein - gerade die festen Strukturen eines Senders verhindern oftmals Kreativität. Mein Wechsel vom WDR zur Bavaria hat mir schon viel Freiheit gebracht - ich konnte bei der Bavaria eine Menge ausprobieren und entwickeln, der technische Standard ist dort natürlich auch höher. Aber die besten Möglichkeiten habe ich erst, seitdem ich selbständig arbeite. Es ist sehr reizvoll und anregend zugleich, wenn man zum Beispiel für 20 Sekunden in der Werbung 300'000 DM als Etat zur Verfügung hat. Und genauso gerne, wie ich zum Beispiel Musik-Clips oder Werbung mache, arbeite ich fürs Fernsehen, wie zur Zeit für den HR. Ich glaube einfach, dass Freischaffende eher die Möglichkeit haben, ihren Horizont zu erweitern.

Den geistigen, kreativen oder finanziellen...?

Roland: Ich meine es mehr als Bild: Wenn ich frei arbeite, reicht ein "genügend" nicht aus, ich muss schon ausgezeichnet sein.

Ist das nicht ein belastender Druck?

Roland: Wenn mir ein Projekt Spaß macht, wie zum Beispiel "Och Joh" mit Badesalz, dann ist dieser Druck nicht belastend, wenn aber das Inhaltliche völlig ausgeschaltet wird und es nur noch um Erflogsbilanz geht, dann ist er sicher nicht zu ertragen.

Du hast erfolgreiche Werbefilme und Musik-Clips gedreht, zum Beispiel für Sandra oder Milli Vanilli. Was interessiert dich an der Sketch-Reihe "Och Joh" mit Badesalz?

Roland: Zuerst einmal mag ich Gerd Knebel und Henni Nachtsheim, die beiden Typen von Badesalz, sehr gerne. Ihre Sketche, aber auch ihre Art, die Figuren darzustellen - für mich haben sie die seltene Qualität, durch genaue Beobachtung von scheinbar normalen Menschen Ungeheuerlichkeiten herauszuarbeiten. Am Alltäglichen decken sie die Perversität von festen Ansichten und Meinungen auf.

Ist es dir leichtgefallen, die Badesalz-Sketche für das Fernsehen zu inszenieren?

Roland: Das kommt schon auf den einzelnen Sketch an, aber ich hatte sofort einen optischen Zugang.

Gerd Knebel und Henni Nachtsheim sind ja gerade in ihrer Doppelfunktion als Autoren und Haupt-
darsteller sehr starke Persönlichkeiten. Gab es da noch viel zu inszenieren?

Roland: Ich trage als Regisseur meinen Teil zum Gelingen eines Projektes bei. Für mich ist Regie ein kommunikatives Arbeiten mit den Darstellern, aber auch mit der Kamera und natürlich mit dem Design. Ich präge eher den visuellen Stil und versuche, die Feinheiten der Sprache optisch umzusetzen. Da ja "Badesalz" ein Theater-Duo ist, muss alles für das Auge der Kamera neu eingerichtet werden.

Was sind bei "Och Joh" deine Favoriten? Die Sketche oder die Clip-Parodien?

Roland: Bei den Clips fühle ich mich natürlich sehr sicher. Ich weiß genau, was ich will, aber auch, was für eine ungeheure Arbeit in einem Clip steckt. Das Engagement des HR-Teams war da übrigens enorm. Trotzdem interessieren mich die Sketche mehr. Ich will mich immer fragen können: was ist das Drama, das heißt, was ist der Kern des Sketches? Das ist beim Badesalz-Duo nicht immer einfach, die arbeiten oft auf unterschiedlichen Ebenen. Aber gerade das Ausarbeiten des eigenen Standpunktes, das Entschlüsseln der Möglich-keiten, macht die Arbeit so spannend.

Wie schätzt du den Erfolg von "Och Joh" ein?

Roland: Mir persönlich gefällt es sehr. Ich finde das Badesalz-Duo eine ungeheure Entdeckung. Das sind unverwechselbare Typen. Trotzdem weiß ich nicht, ob es ein "Hit" wird. Wenn ich "Hits" immer im Voraus wüsste, wäre ich Musikproduzent geworden.


unbekannt - 1990