| Für die LAKS vergaßen Badesalz ihr aktuelles Motto
"Dabrauchemergarneddrübberredde" und standen
bereitwillig Rede und Antwort:
Als hessisches Exportgut kommt ihr ja reichlich in der Republik herum. Mit dem Blick über den Tellerrand: Was fällt euch, zurück im Hessenländle, am ehesten oder am meisten auf? Gerd: Jedes Bundesland hat so seine Eigenheiten, seine
Klischees, die sich auch immer wieder erfüllen. Gleich-
zeitig gibt es aber die Gemeinsamkeiten von einem
Grundverständnis, das es in jedem Bundesland, in jeder
Stadt gibt. Aber es gibt natürlich Unter- Henni: Das war schon immer so. Wir hatten in einem
früheren Programm zum Beispiel eine Tanztheater- Gerd: Auf den Käffern war da wirklich manchmal ein geballtes Fragezeichen. In Frankfurt dagegen haben sich die Leute kaputtgelacht, da ist so etwas durch die Mouson einfach eingeführt. Henni: Was eine faszinierende Geschichte ist: Wir haben
festgestellt, dass in den Gegenden, in denen hohe
Arbeitslosigkeit herrscht, zB. Ruhrpott, Saar- Gerd: Wenn man dem Sterben schon so nah ist... Kultur findet ja nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch das "Dahinter" ist wichtig. Interessiert ihr euch als Künstler auch für die kulturpolitische Seite? Wenn ja, was bekommt ihr so mit bzw. was nervt euch am meisten? Gerd: Ich lese zwar alle möglichen Artikel in der
Rundschau oder der FAZ, aber ganz ehrlich: Wir sind so
viel unterwegs, dass diese Problematiken gar nicht so
dicht an uns herankommen. Es gibt oft so komplizierte
Geschichten, zB. die Berliner Theater- Henni: In Frankfurt gab es vor kurzem beispiels- Ihr spielt seit Jahren fast ausschließlich auf großen
Bühnen von Stadthallen oder Staatstheatern. Das sind
Bühnen- und Zuschauerkapazitäten, die sozio- Henni: Das würde ja bedeuten, dass du vergisst, wo du
herkommst und wie sich die Dinge entwickelt haben. Es
ist doch klar, dass es auch für Künstler besser ist, in
"kleinen" Läden anzufangen, um die notwendige Bühnen-
erfahrung und Zuschauer- Henni, du lebst ja nach wie vor in Rödermark, wo es seit über 20 Jahren das AZ Rödermark gibt. Kennst du den Laden? Und was verbindest du damit? Henni: Klar kennen wir das AZ. Unseren ersten Auftritt in
Rödermark haben wir in diesem Keller- Glaubt ihr, dass diese Art von Kultur auch etwas bewegt, etwas verändert? Gerd: Ja klar, auf jeden Fall! Ich glaube, wenn es das nicht gäbe, würde an vielen Orten nichts stattfinden und die Leute vor Ort werden mit Sachen konfrontiert, zu denen sie sonst nie hingehen würden. Henni: Um bei dem vorigen Beispiel zu bleiben: In Rödermark waren die Leute vom AZ diejenigen, die die Kleinkunst- und Comedyacts geholt und etabliert haben. Gerd: ...und heute kopieren doch die Stadthallen letztlich nur das, was andere populär gemacht haben, so nach dem Motto "Jetzt wissen wir, was die Leute mögen, jetzt machen wir da auch mal was!". Henni: Und die machen es sich dann teilweise einfach, indem sie sich die etablierten Acts holen. Was ich gut finde, wenn dann auch Künstler den Veranstaltern treu bleiben, mit denen es über Jahre hinweg eine gute Zusammenarbeit gab. Wenn wir mal wieder in Rödermark spielen sollten, würden wir das auf jeden Fall mit dem AZ machen. Soziokultur wird ja - als Pflanze gesehen – gerne als Kaktus dargestellt; karg und anspruchsarm, stachelig, aber mit einer gewissen eigenen Schönheit. Als was für eine Pflanze würdet ihr euch am ehesten sehen? Gerd: (lacht) Henni: Wir hatten mal überlegt, ein Plattencover zu machen, früher, als ich noch lange Haare hatte. Da gab es eine Pflanze, die sah aus wie ein Typ mit langen Haaren, der haben wir eine Nickelbrille aufgesetzt. Und das andere war ein Kaktus mit ganz kurzen Stoppeln. Das kam uns schon ziemlich nah. Zumindest optisch. Ihr seid ja an dieser Stelle sozusagen Nachfolger einer Ministerin. Würde euch das real auch reizen? Henni: Ehrlich gesagt, bis auf das Prämiensystem würde mich das nicht reizen. Gerd: Wir sind schon immer ganz froh, wenn wir nicht in die Verlegenheit kommen, zu nah an Politiker heran kommen zu müssen, die einem vor irgendwelchen Kameras schnell die Hand schütteln wollen. Henni: Oder das Neujahrsfest der Bildzeitung auf Gut Neuhof, wo dann zum Beispiel Roland Koch neben dir sitzt... Gerd: ...und vielleicht sogar seinen Arm um dich legt. Henni: Es gibt ja Kollegen, die sich dann so ablichten lassen. Ich möchte jedenfalls nicht am nächsten Tag mit Roland Koch im Arm in der Zeitung zu sehen sein. Da könnte ich einige Nächte nicht schlafen. Übrigens, ihr managt euch ja nach wie vor weitgehend selbst. Wer von euch beiden unterschreibt eigentlich eure Verträge? Henni: Immer, wenn ich nachts nach Hause komme, mache ich einen Knebel-Vertrag... Gibt es noch etwas, das ihr an dieser Stelle loswerden möchtet? Gerd: Bei so einer Frage hat der Henni mal einen Superspruch losgelassen, nämlich "Dich!" Dem Typen ist wirklich das Gesicht runtergefallen. Henni: Das hat der mir auch nie verziehen. Der war dann später, bei der Echo-Verleihung in Hamburg, immer noch sauer. Vielen Dank für das Gespräch.soziokultur-hessen.de - Bernd Hesse - 11.01.2001 |