Daniela Vollhardt traf Henni Nachtsheim im ehe-
maligen Sinkkasten.

Ist ein Single ein gesellschaftlicher Außenseiter?

Henni: Nein, definitiv nicht, wenn du als Deutscher nach Italien kommst, dann sind die Italiener ja auch keine Außenseiter. Es gibt ja mittlerweile mehr Singles als Verheiratete. Singledasein hat bestimmt auch Vorteile, man muss in vielen Dingen keine Kompro-
misse schließen, es gibt viele Sachen, die einen manchmal weniger nerven... Ich war neulich nach Dreharbeiten in einem Restaurant, was ich mal als überwiegende Single- Chill-Out-Kneipe bezeichnen würde und da saßen viele einsame Menschen, von denen ich glaube, dass die meisten Singles waren! Und ich kann nicht unbedingt sagen, dass die besser drauf waren, als die Leute mit denen ich da war, die alle in Partnerschaften stecken.

Ist es klug eine Kontaktanzeige aufzugeben?

Henni: Eine sehr gute Freundin, die das gerade wieder probiert hat, hat mir neulich Abend einige Zuschriften, die sie per eMail bekommen hat, vorgelesen. Ich weiß ja, dass Männer den Hang haben selbstgefällig zu sein, aber dass sie sich entblöden, bei wildfremden Frauen ihre Vorzüge dermaßen billig anpreisen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Also, das ging von der Länge des Gliedes über die Unwiderstehlichkeit, die sie sich selber zuinterpretiert haben, das war sagenhaft, das war abenteuerlich. Ich war echt beeindruckt!

Dann haben sie wohl nicht die Wahrheit gesagt?

Henni: Nee, ich glaube nicht, dass sie die Wahrheit gesagt haben. Aber was auch immer sie versucht haben, meine sehr gute Freundin, die ich wirklich lange kenne und die einen sehr guten Menschen-verstand hat, wird sich mit Sicherheit mit keinem dieser Idioten treffen.

Was sagst du zu Chiffre?

Henni: Also, du redest nicht gerade mit einem Profi. Dass man nicht seine Telefonnummer reinsetzt und man die Möglichkeit hat, Antworten erstmal anonym zu kriegen, das finde ich schon in Ordnung. Ich meine, wenn ich jetzt jemanden am Telefon sexuell belästige, dann hab ich ja auch immer die Rufunterdrückung an, denn wenn man da meine Nummer sieht ist für mich der Spaß auch vorbei.

Wie kannst du noch mit Menschen in Kontakt kommen?

Henni: Was definitiv funktioniert, ist einen Hund zu haben und spazieren zu gehen. Wenn du einen Hund hast, dann kommst du mit allen anderen Hunde-
besitzern ins Gespräch und wenn du einen besonders hübschen Hund hast, kommst du auch mit Leuten ins Gespräch, die selbst gar keinen Hund haben. Hunde sind eigentlich der Bringer. Es gibt ein schönes Lied von Ina Müller "Hätt ich 'nen Hund, hätt ich 'nen Grund" – das trifft es ganz gut. Wenn man aber eher zu Cholerikern Kontakt haben will, bei denen die Halsschlagader so ein bisschen rausschwillt und die etwas nach Alkohol riechen, dann kann man auch zum Fußball gehen.

Susanne Fröhlich sagte, dass es dir dann passieren kann, dass du in Bayern München Bettwäsche aufwachst.

Henni: Wenn Du in Frankfurt ins Stadion gehst, wirst du danach nicht in Bayern München Bettwäsche aufwachen.

Ja, wohl eher in Eintracht…

Henni: …ich hab noch Bettwäsche von Hanau 93, in der ist bisher jede Frau schwach geworden.

Haben sich die Männer in den letzten Jahren verändert?

Henni: Ja klar, wir sind ja jetzt alle metrosexuell – sieht man ja auch an mir (lacht). Nee, ich glaube dass die Männer sich seit der Steinzeit nicht wirklich verändert haben. Ich glaube, bestimmte Jagdinstinkte und bestimmte Verhaltensmuster sind einfach noch dieselben. Ich war gestern Abend in der Kneipe und saß so in der Ecke, das hatte den Vorteil, dass ich unbeobachtet war. Ich finde, wenn hübsche Frauen durch das Lokal laufen, dann reagieren die Männer eigentlich wie seit 1000 Jahren. Da wird abgescannt von oben nach unten und ich glaube, dass Männer auch irgendwo immer ein Stück Angeber bleiben. Ich glaube nicht, dass sich die wirkliche Grundstruktur der Männer geändert hat, vielleicht ist die Variabilität der Taktiken größer geworden. Tendenziell laufen wir doch eigentlich noch mit der Keule durch die Gegend und versuchen irgendwie die Frau in die Höhle zu ziehen.

Hat man sich in den 80ern anders verliebt?

Henni: Ich hab mich definitiv anders verliebt, weil ich meistens betrunken war in den 80ern (lacht). Vielleicht hat man sich anders bewegt, weil die Musik anders war. Da hat man dann auch so ein bisschen (näselt) anders gesprochen, weil der Groove anders war. Letztendlich, der Impuls warum man sich verliebt, das war wohl in den 80ern nicht anders, als in den 90ern.

Haben sich die Frauen verändert?

Henni: Das glaube ich schon. Ich glaube, dass die Frauen (das klingt jetzt superschleimig) einen Vorsprung haben, sie selbstbewusster sind, viele Frauen es besser checken. Wobei, auch da gibt es Ausnahmen – gestern war ich in einem Baumarkt und dort gibt es eine Theke mit Backwaren und solchen Sachen. Da waren zwei wirklich hübsche Verkäu-
ferinnen und davor stand ein relativ runtergeroppter Arsch, der vielleicht ganz schöne Augen hatte, aber Rest war relativ unappetitlich und der beugte sich über diese Theke, flirtete diese beiden "Hennen" an und die waren hin und weg. Die haben dem Brötchen geschenkt und was weiß ich... Ich stand daneben und habe nur gedacht, wenn das meine Töchter wären, ich würde verzweifeln, der Typ war so was von einer (das hast du einfach gesehen) hinterlistigen Ratte und die waren so was von (die Stimme geht 5 Oktaven nach oben) "Hääähäää, gugge ma, da gibt's auch noch Schokolade mit Rosinen, au gugge ma… häähää… gib mir dochema des… hihihi… du hast recht… hihihihii..." Da willst du rausschreien und sagen "He Leute, seht ihr nicht, dass das ein Arschloch ist, der will vielleicht eine von euch flachlegen oder beide und dann ist der weg" – also, das hast du auf 100 Metern gesehen und ich hab mich gewundert, dass es dann auch wieder genug Frauen gibt, die das nicht schnallen. Aber sonst würde ich sagen, dass die Frauen etwas wacher sind, etwas besser selek-
tieren als früher oder selbstbewusster sind im Umgang und auch mehr fordern. Ich glaub schon, dass da Frauen eher einen Fortschritt gemacht haben.

Mmmhhh...

Henni: Du nicht?

Doch, das glaube ich auch. Jahrelang wurde für die Gleichberechtigung der Frau gekämpft und dann hast du solche Hühner da stehen.

Henni: Ja, klar. Aber die gibt es halt immer. Das hat auch damit zu tun, wie du aufgewachsen bist, was man dir vermittelt hat, was du beobachtet hast, Sozialisation und so weiter. Ich würde sagen, dass es mehr selbstbewusste Frauen gibt als früher. Ich kannte früher auch schon selbstbewusste Frauen, das ist jetzt nicht so...

Die haben die Emma gelesen…

Henni: …das braucht es jetzt nicht mehr, die lesen jetzt Sportbild. (beide lachen)

Gibt es Schicksal?

Henni: Definitiv ja! Ich bin sicher, dass es Schick-
sal und ganz viele Verknüpfungen gibt. Ich kann das nur an meinem eigenen Leben festmachen. Wenn ich jetzt mal einen kleinen Faden spinne; mein Bruder und ich waren zusammen in einer Band, er war Gitarrist und Sänger und aus Liebeskummer, weil seine Freundin ihn verlassen hatte, wollte er zwei Auftritte nicht spielen. Wir wollten aber mit der Band spielen und brauchten dringend sowohl einen Sänger als auch einen Gitarristen, denn beides in einer Person findest du nicht so oft. Also sind wir auf die Suche gegangen, um diese Auftritte zu retten. Bei der Gelegenheit habe ich Peter Osterwold von Rodgau Monotones kennen gelernt, besser gesagt damals noch die Vorläuferband und über den Weg bin ich letztlich zu den Rodgau Monotones gekommen, über den Weg habe ich dann irgendwann mal mit Flatsch zusammen ein Konzert gegeben, über den Weg hab ich Gerd Knebel kennen gelernt, der heute mein bester Freund ist und mit dem ich seit 25 Jahren Badesalz mache. Also, ich glaube schon, dass das nicht nur so ein Zufall und dass das meine Schicksalskurve ist. Ich glaub schon, dass es das gibt.

Ein Tip von Henni Nachtsheim, für alle, die sich verlieben wollen:

Henni: Oje, da bin ich ganz schlecht drin, da hab ich ja schon soviel falsch gemacht. Auf jeden Fall, wenn's nicht klappt, auf keinen Fall umbringen, sondern ein paar Wochen durchatmen und dann neuer Versuch.

Was machst Du gerade?

Henni: Wir haben gerade mit Badesalz letzte Woche eine Serie gedreht für die ARD, da haben wir für sechs Folgen sechs sehr namhafte Comedians eingeladen. Mit denen haben wir Comedy eine halbe Stunde fürs Familienprogramm aufgearbeitet, damit auch Kids, die sich fragen, wie kommt man auf Ideen, wie geht das überhaupt und so, vielleicht etwas die Angst genommen wird, dass so was zu schreiben unmöglich ist. So in der Art, Comedy kann man auch ein bisschen lernen, wenn man mal ein bisschen auf Sachen achtet. Wenn ihr mal in der Familie guckt, da gibt es soviel Comedyaspekte und lustige Momente und dann kann man das Leben auch mal anders betrachten, so ein leicht didaktischer Ansatz ist da drin. Das haben wir in Offenbach in einer kleinen Halle gedreht, mit ca. 50 Zuschauern und es hat auch richtig viel Spaß gemacht. Jetzt fangen wir mit Dreharbeiten für eine neue Comedyserie für einen neuen Kanal an, der heißt "Comedy Central" und startet von MTV ausgehend. Ab 15. Januar kann man den Kanal schauen und wir sind mit dabei. Ab April starten wir mit dem neuen Badesalzprogramm, für das wir zwar noch keinen Titel haben, aber die ersten Vorstellungen sind schon ausverkauft. Wir haben noch nicht mal einen Titel und trotzdem geht das so los, das finde ich richtig cool. Die Premiere spielen wir wie immer in Sprendlingen, wie schon seit 1946, dort hatten wir die erst Premiere und dann geht's hier durch die ganze Gegend. Und darüber hinaus spiele ich noch mit meiner Band. Die Konzerte sind da immer sehr lustig, es wird viel erzählt. Es ist nicht so, dass wir ein Stück nach dem anderen spielen, sondern wir haben zu allen Stücken Geschichten. Die Konzerte, die wir bisher gespielt haben, haben gezeigt, dass es für diese Art von Musik, für diese Platte und für mich genau das Richtige ist, die Konzerte haben super geklappt.


strandgut.de - Daniela Vollhardt - 26.12.2006